Reaktionen: Von "enttäuscht" bis "sehr erfreut"

20. Oktober 2003, 11:06
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Friedensnobelpreisträger Walesa: "Es gibt keine Gerechtigkeit auf der Welt"

Oslo/Brüssel/Wien - Die Reaktionen auf die Verleihung des Friedensnobelpreis an die Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi hat überwiegend positive Reaktionen hervorgerufen.

Die Europäische Union begrüßte die Entscheidung. Ebadi habe nicht nur "viele ihrer Landsleute persönlich verteidigt, sondern sie hat sich auch an der wichtigen Diskussion über Menschenrechte in Iran beteiligt", erklärte der Hohe Außenpolitische EU-Vertreter Javier Solana am Freitag in Brüssel. "Frau Ebadi ist mehr denn je ein Vorbild für ihre Region und für den Rest der Welt."

Rauch-Kallat gratuliert, auch Lunacek erfreut

"Es ist ein positives und wichtiges Signal, dass damit eine Frau für ihren Einsatz für Frauen und Kinder international gewürdigt wird", meinte Frauenministerin Maria Rauch-Kallat in einer Aussendung. Für Ulrike Lunacek, die außenpolitische Sprecherin der Grünen, hat das Nobel-Komitee "ein deutliches Zeichen zur Unterstützung des Kampfes um Frauenrechte gesetzt."

"Zeichen für die islamische Welt"

Auch Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) freute sich sehr über die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees. "Es zeigt die Bedeutung der Frauenrechte als Menschenrechte. Und das ist gerade für die islamische Welt ein Zeichen", zitierte der Sprecher der Außenministerin Ferrero-Waldner am Freitag. "Ebadi ist eine mutige Frau, die die Unterstützung aller Frauen der westlichen Welt verdient."

Walesa "enttäuscht"

Als einer der wenigen zeigte sich der polnische Friedensnobelpreisträger Lech Walesa "enttäuscht". "Ich habe nichts gegen die Dame, aber wenn jemand diesen Preis verdient, dann sicherlich der Heilige Vater", sagte er in einer ersten Reaktion im polnischen Nachrichtensender "TVN 24".

In Polen war seit Tagen auf die Vergabe des Preises an Papst Johannes Paul II. gehofft worden. "Es gibt keine Gerechtigkeit auf der Welt", meinte Walesa, der 1983 selbst für seine Arbeit für die polnische Demokratiebewegung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war.

Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski relativierte später die Aussagen Walesas: "Ich wünsche sowohl der Preisträgerin als auch dem gesamten iranischen Volk gutes Gelingen auf dem schwierigen Weg zum Aufbau einer Bürgergesellschaft, in der Frauen Zugang zum gesamten öffentlichen Leben haben", sagte er am Freitag der polnischen Rundfunknachrichtenagentur IAR. (APA)

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