Mannesmann stellt Risiken der Vodafone-Offerte heraus

14. Jänner 2000, 10:32

Steuerliche und finanzielle Belastungen zu groß - Unklare Zukunft nach Orange-Übernahme

Düsseldorf - Die Mannesmann AG, Düsseldorf, hat in ihrer begründeten Stellungnahme zum Übernahmeangebot von Vodafone Airtouch plc, Newbury, erneut die Risiken bei einem Erfolg der Offerte herausgestellt. Aus Sicht des Düsseldorfer Konzerns bietet er den Aktionären höheres Wachstum, eine überlegene Plattform, die bessere Strategie und einen höheren Wert, wobei das Wertpotenzial mit mindestens 350 Euro/Aktie (4.816 S) angegeben wird. Der Vorstand von Mannesmann empfiehlt seinen Aktionären weiterhin die Ablehnung des Vodafone-Angebots.

Als besondere Risiken werden die unklare Zukunft der gerade übernommenen Orange plc, Bristol, die Finanzierung des aus Mannesmann- Sicht notwendigen Beherrschungsvertrages und die voraussichtlich weit reichenden Auflagen der Europäischen Kommission genannt.

Zudem weist Mannesmann auf die absehbaren steuerlichen Belastungen für deutsche Kapitalgesellschaften, bestimmte Kleinaktionäre in Deutschland sowie höchstwahrscheinlich für Investoren aus den USA hin. Durch diese Risiken könnte der Wert der eingetauschten Vodafone-Aktien erheblich gemindert werden, argumentiert die Düsseldorfer Führung.

Die Abtrennung von Orange erfordere einen Beherrschungsvertrag und könnte länger als ein Jahr dauern. Ohne einen solchen Vertrag wäre die Abspaltung von Orange rechtswidrig und die Integration von Mannesmann in Vodafone sowie die volle Realisierung der Synergien nur eingeschränkt möglich. Mannesmann verweist erneut auf eine zusätzliche Verschuldung von bis zu 60 Mrd. Euro, die Vodafone eingehen müsste, um einen Beherrschungsvertrag mit Mannesmann abzuschließen.

Zugleich wirft das deutsche Unternehmen die Frage auf, ob Vodafone sich gegebenenfalls mit einer Minderheitsbeteiligung an Mannesmann zufrieden gäbe. In einem solchen Fall wäre das britische Unternehmen nicht in der Lage, die angekündigten Synergien zu realisieren, heißt es in der Mannesmann-Stellungnahme. Die Düsseldorfer weisen die Auffassung von Vodafone zurück, dass die im Festnetz erzielbaren Renditen niedriger seien als beim Mobilfunk.

Das Festnetz werde auch im Jahr 2005 Prognosen zufolge noch den größten Anteil am gesamten Datenkommunikationsmarkt haben. Mannesmann stellt den von Vodafone in vielen Ländern gehaltenen Minderheitsbeteiligungen entgegen, dass die Vorteile von Kontrollbeteiligungen unstrittig seien, wie sie das deutsche Unternehmen bei o.tel.o GmbH, Infostrada SpA, Omnitel Pronto Italia SpA und Orange habe. Nur mit kontrollierenden Beteiligungen sei die Fähigkeit gegeben, langfristig höhere Wachstumsraten zu erzielen. So stammten über 95 Prozent von Mannesmanns proportionalem EBITDA aus Mehrheitsbeteiligungen, bei Vodafone seien es weniger als 40 Prozent.

Der Düsseldorfer Konzern unterstrich die Prognose eines EBITDA- Anstiegs im Telekommunikationsbereich im Jahr 2000 von über 60 Prozent und einer durchschnittlichen Zuwachsrate bis 2003 einschließlich der Orange-Synergien von 39 Prozent. Dem stehe ein prognostiziertes Wachstum bei Vodafone von nur 20 Prozent pro Jahr gegenüber. Als weiteres Risiko einer Übernahme durch die Briten führt Mannesmann an, welche Auswirkungen ein Zusammengehen auf die Fähigkeit von Vodafone und Orange hat, eine UMTS-Lizenz in Großbritannien zu erhalten. (APA/vwd)

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