Russischer Reporter ermordet

13. Oktober 2003, 11:41
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Alexej Sidorow untersuchte Verbindungen zwischen organisiertem Verbrechen und Autohersteller

Ein russischer Reporter, der Verbindungen zwischen dem kriminellen Milieu und dem führenden Autohersteller des Landes untersuchte, ist ermordet worden. Wie der Sender NTW am Freitag berichtete, starb Alexej Sidorow, der für eine Zeitung in der Stadt Togliatti an der Wolga arbeitete, am Donnerstag auf einem Parkplatz in den Armen seiner Frau. Zuvor war mehrere Male mit einem Messer auf ihn eingestochen worden.

Laut NTW berichtete Sidorow ausführlich über das organisierte Verbrechen in Togliatti, wo auch der Autobauer Awtowas seinen Sitz hat. Sidorows Vorgänger bei diesem Thema war Waleri Iwanow, der im April 2002 ermordet wurde. Laut dem Fernsehsender Rossija war es bereits das sechste Mal in den vergangenen Jahren, dass ein Journalist in Togliatti offenbar Opfer eines Auftragsmordes wurde. Keiner wurde bislang aufgeklärt.

Wir glauben, dass der Mord etwas mit Sidorows Arbeit zu tun hat"

Sidorows Kollegen äußerten die Ansicht, dieser sei wegen seiner Artikel ermordet worden. Innenminister Boris Gryslow sagte, die Polizei teile diese Ansicht. "Wir glauben, dass der Mord etwas mit Sidorows Arbeit zu tun hat", sagte Gryslow laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ITAR-Tass. "Für uns ist eine Frage der Ehre, dieses Verbrechen aufzuklären." Gryslow, der auch bei der Parlamentswahl im Dezember antritt, sagte laut dem Sender Rossija, er habe seine "besten Spezialisten" geschickt, um den Fall zu untersuchen.

"Zensur durch Mord"

Menschenrechts- und Medienorganisation haben Russland vorgeworfen, es unternehme zu wenig gegen die Angriffe auf Journalisten. In Russland und anderen früheren Sowjetrepubliken werde "Zensur durch Mord" betrieben, erklärte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im vergangenen Monat. (APA/AP)

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