Legale Musik-Downloads auf österreichischer Webseite

11. Oktober 2003, 19:00
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Zu Beginn mehr als 200.000 Songs - auch ältere Zielgruppen angesprochen

Wien - Eine kostenpflichtige, jedoch legale österreichische Internet-Downloadplattform für Songs aller Sparten startet ab Montag (13. 10.) unter der Webadresse musicdownload.aon.at. Mit zu Beginn mehr als 200.000 Songs, die um ca. 1 Cent ohne Speicherung gestreamt und um rund einen bis ca. 1,9 Euro heruntergeladen und auf CD gebrannt werden können, entsteht damit eine legale österreichische Alternative zu von der Musikindustrie bekämpften Peer to Peer-Programmen wie Kazaa.

Die Songs auf der neuen Plattform seien "legal, virenfrei und mit 128 Kilobit pro Sekunde in perfekter CD-Qualität", so Michael Fried, Leiter der Abteilung Media/Internet der Telekom Austria bei einer Pressepräsentation heute, Freitag. Die Kooperation zwischen der Telekom Austria und der 1999 von Peter Gabriel gegründeten Internet-Musikvertriebsfirma OD2 bietet im Windows Media Format Mainstream-Songs von Robbie Williams bis zu Eminem, von Bob Marley zu DJ Ötzi aus dem Repertoire der großen Plattenfirmen. Aber auch kleine Labels wie Edel sind mit ihren Künstlern vertreten.

Über 30 Sekunden kostet's

30 Sekunden können die Songs gratis probegehört werden, Download und Stream verlangen eine Registrierung mit Kreditkarte und den Erwerb eines von fünf Credit-Paketen. Das billigste ermöglicht mit 2,50 Euro den Download von maximal zwei Songs (je nach Songpreis), das teuerste bietet für 75 Euro maximal 86 Songs. Das Song-Angebot soll ständig erweitert werden.

Rund 5.000 User erwartet man sich für 2004, ein Bruchteil der Millionen Benutzer der User-Tauschbörsen. Wenn jedoch "ein nennenswerter Prozentsatz" der mit rund 7,5 Mio. Euro bezifferten jährlichen Schadenssumme durch Online-Musikpiraterie nun mit dem neuen Angebot ausgeglichen werden kann, wäre es ein "Erfolg", so Hannes Eder, General Manager bei Universal Music Österreich und auch als Vertreter des Verbands der Österreichischen Musikwirtschaft (IFPI) bei der Pressepräsentation. Vergleichbare Angebote in den USA wie Apples "iTunes" verzeichnen mittlerweile Downloads in Millionenzahl.

Zielgruppen

Die neue Aon-Plattform ist weltweit benützbar, jedoch bisher auf Windows-PCs beschränkt. Als Problem vor allem für die eigentliche Zielgruppe der Jugendlichen soll die derzeit ausschließliche Registrierung per Kreditkarte durch andere Zahlungsformen ergänzt werden. Auch ältere Zielgruppen sollen angesprochen werden, denen in Zukunft "ein Roger Whittaker oder ein Peter Alexander" übers Internet ins Haus kommen soll, so Eder. Auch Austropop-Raritäten sollen heruntergeladen werden können.

Der größte Unterschied zu den User-Tauschbörsen ist neben der Kostenpflicht die beschränkte Weiterverwendbarkeit der heruntergeladenen Dateien. Zwar unbegrenzt abgespielt, jedoch in der Regel nur drei Mal auf CD gebrannt werden können die Musikfiles, die Versendung der Dateien etwa per Email ist wegen der User-Bezogenheit der im Kauf erworbenen Lizenz nicht möglich. Die Grenzen des Digital Rights Managments (DRM) sind spätestens nach dem Brennen der Datei auf CD jedoch erreicht, das generierte Audio-File ist nicht mehr kopiergeschützt und kann natürlich auch wieder in andere, ungeschützte Formate konvertiert werden. Man hoffe "auf einen sensiblen Umgang" der Kunden mit den Songs, so Christoph Schick von OD2.

"Wenn einem ständig jemand etwas klaut, muss man Gegenmaßnahmen setzen"

"Die Musikindustrie hat im Internet-Bereich jahrelang ziemlich gut geschlafen", so Eder. Der herkömmliche Plattenmarkt habe "die lästige Angewohnheit, pro Jahr zehn bis 15 Prozent zurückzugehen". Anders als beim "radikalen Weg" in den USA wolle man den Kunden erst eine legale Alternative im Internet bieten, bevor die User wegen illegaler Downloads gerichtlich verfolgt werden. Eine solche gerichtliche Belangung sei jedoch in Zukunft auch in Österreich nicht auszuschließen. "Wenn einem ständig jemand etwas klaut, muss man Gegenmaßnahmen setzen", so Eder. Vorerst setzt die IFPI jedoch auf Aufklärung, eine neue Kampagne ("Value of Music") soll Problembewusstsein schaffen. (APA)

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