Musikdownload "legal und guten Gewissens"

18. Oktober 2003, 11:43
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Auf dem Aon-Portal der Telekom Austria stehen ab Montag, 13. Oktober, 200.000 Songs zum Herunterladen bereit: legal und gegen Gebühr

"Legal und mit gutem Gewissen" könne man künftig Musik aus dem Internet konsumieren, sagt Michael Fried, Leiter von International Media bei der Telekom Austria (TA). "Und die Qualität der Stücke ist auch besser als die von irgendwelchen Plattformen - und auch frei von Viren."

Bis zu 189 Cent pro Song

Die Preise sind vergleichbar mit denen von Musik-CDs: Ein Einzeltitel kostet zwischen 99 und 189 Cent (die bei AonMusicdownload "Credits" genannt werden). Es gibt unterschiedlich große Abonnements mit einer Laufzeit von je zwölf Monaten. Als Zahlungsart wird derzeit nur Kreditkarte angeboten; an einem Billing über die Abrechnungen der 3,5 Millionen TA-Kunden wird gearbeitet.

30 Sekunden Reinhören

Der Musikservice erlaubt ein 30 Sekunden langes Reinhören in jedes angebotene Musikstück. Nach Registrierung mittels Kreditkarte bzw. Erwerb eines Abos kann man das Musikstück entweder streamen (= einmal hören), oder aber im Audioformat Windows Media Format auf den PC herunterladen. Damit erwirbt der Kunde die Lizenz, die Aufnahme beliebig oft abzuspielen, auf CD zu brennen und/oder auf ein tragbares Abspielgerät zu übertragen. Auf Apple läuft der Service übrigens nicht.

Gegründet von Peter Gabriel

Zusammengearbeitet wird bei diesem Service mit OD2 (das steht für On Demand Distribution), einem 1999 von dem Sänger Peter Gabriel gegründeten digitalen Musikprovider, der sich zwischen den Schallplattenlabels und den Internetportalbetreibern positioniert und die technische Aufbereitung der Songs durchführt.

Aufseiten der Labels arbeitet man mit allen großen Anbietern zusammen, erklärt OD2-Manager Christoph Schick. Aufseiten der Provider sind beispielsweise Tiscali Deutschland oder MSN UK Abnehmer. Auch werden jeweils lokale Interpreten ins Repertoire aufgenommen. OD2 bezeichnet sich als größter europäischer digitaler Musikanbieter, gemessen an der Größe nur knapp hinter dem auf dem US-Markt auftretenden iTunes von Apple.

Zahlende User

"Konservativ gerechnet" glaubt man bei der TA noch heuer 5000 zahlende Nutzer für den Dienst erwärmen zu können. Auch OD2-Manager Schick glaubt das. Ausgehend von Märkten, in denen OD2 bereits präsent ist, beobachtet der Dienst großes, durchaus wohlwollendes User-Interesse. In den USA habe beispielsweise Rhapsody, ein Dienst, der noch vor Apples iTune auf den Markt kam, allein im September 21 Millionen Seitenaufrufe gemeldet.

Mit dem Aufbau legaler Musikangebote aus dem Netz werde die Musikindustrie ihre bisher lethargische Haltung gegenüber den Downloads auch hierzulande überdenken, kündigte Hannes Eder, Österreichs Universal-Music-Chef an. Zwar wolle man nicht die harte Tour fahren wie in den USA, wo Studenten vom US-Musikverband vor Gericht gebracht und zu hohen Strafen verurteilt wurden.

Doch plane der Verband der österreichischen Musikwirtschaft ifpi eine Kampagne "Value for Music", die die Vorteile des legalen Musikerwerbs im Netz hervorstreichen soll. Eder geht davon aus, dass rund eine Million Österreicher Musik aus dem Internet herunterladen und dass der "Schaden" durch das Benutzen von Tauschbörsen à la KaZaA oder eMule hierzulande 7,5 Millionen Euro im Jahr ausmacht.(ruz/DER STANDARD, Printausgabe vom 11./12.10.2003)

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