General Electric im Kaufrausch

16. Oktober 2003, 18:18
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Konzernchef Immelt mit Großakquisitionen in Serie - Nach Vivendi-Deal heuer noch zwei Übernahmen durch GE Medical

New York/Fairfield/Wien - Mit einer Serie riesiger Firmenübernahmen drückt Jeffrey R. Immelt (47), Nachfolger des langjährigen General Electric (GE)-Chefs John F. Welch, dem weltgrößten Mischkonzern seinen Stempel auf. Nicht zuletzt durch den Aufkauf hunderter Unternehmen für 58 Mrd. Dollar (49,2 Mrd. Euro) zwischen 1990 und 2002 hat GE seinen Umsatz auf knapp 132 Mrd. Dollar erhöht. GE ist heute mit einem Gesamtwert von 304 Mrd. Dollar knapp hinter Microsoft (312 Mrd. Dollar) das zweitwertvollste Unternehmen der Welt. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 315.000 Mitarbeiter.

Medien und Medizintechnik

Während Welch den Finanzsektor und industrielle Produkte betonte, konzentriert sich Immelt bisher bei Großakquisitionen vor allem auf die von seinem Vorgänger vernachlässigten Geschäftsbereiche Medien und Medizintechnik. Er hat zuletzt in einer spektakulären 14 Mrd. Dollar-Transaktion die amerikanische Unterhaltungssparte der französischen Vivendi Universal geschluckt. Die Vivendi-Sparte wird mit der profitabelsten US-Fernsehfirma und GE-Tochter NBC zur NBC Universal, einem Medienkonzern mit 13 Mrd. Dollar-Umsatz, fusioniert.

Genau so gezielt baut Immelt mit zwei Großübernahmen jetzt die Medizintechnik-Sparte GE Medical, die er bis zu seinem Aufstieg in die Konzernspitze leitete, aus. GE Medical ist mit einem Umsatz von 10 Mrd. Dollar der weltgrößte Anbieter von Röntgengeräten und Computertomographen. Immelt will nun 9,5 Mrd. Dollar für die britische Amersham hinblättern, den weltgrößten Anbieter medizinischer Tomographie-Kontrastmittel. Die beiden Unternehmen bringen es heuer zusammen auf 13 Mrd. Dollar Umsatz und beschäftigen zusammen fast 38.000 Mitarbeiter.

Noch in diesem Jahr wird GE außerdem der Aufkauf der finnischen medizintechnischen Firma Instrumentarium für mehr als zwei Mrd. Dollar vollziehen. Sie wird mehr als eine Mrd. Dollar Umsatz beisteuern.

Nach Kretztechnik Jenbacher

Auch in Österreich befand sich GE zuletzt auf Einkaufstour. Nach der im Herbst 2001 erfolgten Übernahme des medizinischen Ultraschallgeräte-Herstellers Kretztechnik durch GE Medical war heuer das Traditionsunternehmen Jenbacher an der Reihe: GE Power konnte im Frühjahr nach einem verbesserten Übernahmeangebot an die Jenbacher-Aktionäre die Akquisition des Tiroler Anlagenbauers sicherstellen.

Im Gegensatz dazu hat sich Immelt von langsam wachsenden Geschäftssparten getrennt. Dazu zählen unter anderem die Versicherungen GE Edison Life und Financial Guaranty Insurance sowie die Geschäftsbereiche Superschleifmittel und Spezialchemikalien.

Deutlicher Gewinnrückgang

Im dritten Quartal 2003 musste GE wegen des schwachen Kraftwerks- und Triebwerksgeschäfts einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Der Quartalsgewinn fiel zum Vorjahresquartal um 11 Prozent auf 3,6 Mrd. Dollar oder 36 Cent je Aktie nach 41 Cents im Vorjahreszeitraum, wie GE am Freitag mitteilte. Unter Ausklammerung von Sonderfaktoren verdiente GE von Juli bis September 40 Cent je Aktie und hat damit die Wall-Street-Erwartungen erfüllt. Der Umsatz legte gegenüber der Vorjahresperiode nur geringfügig um 2 Prozent auf 33,4 Mrd. Dollar zu.

Der Neunmonatsumsatz erhöhte sich um ein Prozent auf 97,2 Mrd. Dollar. Der Neunmonatsgewinn schrumpfte um fünf Prozent auf 10,4 Mrd. Dollar oder 1,04 Dollar je Aktie nach 1,10 im Vorjahreszeitraum. GE erwartet im vierten Quartal einen Gewinn von 45 Cent bis 47 Cent je Aktie, 45 Prozent mehr als im letzten Quartal 2002, kündigte Immelt an. Das Unternehmen will im Gesamtjahr 1,55 Dollar bis 1,57 Dollar je Aktie verdienen. (APA/dpa/vwd)

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    Konzernchef Jeffrey R. Immelt, ein Spezialist für Großaquisitionen

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