Der Countdown zum Streik

13. Oktober 2003, 13:10
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Seit über einem Jahr Verhandlungen zwischen Vorstand und Bordpersonal

Wien - Die Gespräche über Sparmaßnahmen bei den AUA-Piloten ziehen sich seit mehr als einem Jahr hin. Eine erste Eskalation gab es zu Jahresbeginn 2003, nachdem der Vorstand eine betriebsinterne Vereinbarung aufgekündigt hatte, die der AUA trotz ihrer vergleichsweise hohen Kosten einen garantierten Anteil von 43 Prozent an allen durchgeführten Flügen in der Austrian Airlines-Gruppe (AAG) sicherte. Die wichtigsten Stationen der Eskalation im Jahr 2003 im Überblick:
  • 2. Jänner 2003: Der AUA-Betriebsrat Bord (BRB) droht mit Streik nach Aufkündigung des Unterwanderungsschutzes (Betriebsvereinbarung C-33). C-33 garantierte dem AUA-Bordpersonal einen Anteil von mindestens 43 Prozent an der gesamten Produktion der Gruppe mit AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways.
  • 17. Jänner: AUA-Bordpersonal stimmt mit 90 Prozent für Kampfmaßnahmen.
  • 21. Jänner: In einer dreistündigen Betriebsversammlung bildet das Bordpersonal ein Streikkomitee, Arbeitsgruppen sollen Maßnahmen "zum Schutz vor Stellenabbau und Unterwanderung" koordinieren.
  • 20. Februar: Vor neuerlichen Gesprächen und angesichts des sich abzeichnenden Irak-Krieges setzt die Belegschaft alle Aktionen aus. Am selben Tag veröffentlicht die AUA Turnaround-Zahlen für 2002: Das Betriebsergebnis drehte 2002 auf +41,4 (2001: -88,9) Mio. Euro, der Verschuldungsgrad sank auf 290 (338) Prozent.
  • 26. Februar: Der Betriebsrat klagt die AUA auf Unterlassung. Die Betriebsvereinbarung zum Unterwanderungsschutz werde verletzt, indem AUA-Maschinen mit "billigem Fremdpersonal", konkret Tyrolean-Kollegen, besetzt würden. Die AUA weist die "Unterwanderungsparanoia" zurück.
  • 28. Februar: AUA-Piloten kündigen an, nicht mehr "über Vertrag" zu arbeiten.
  • 12. März: Neue Gespräche. Erstmals wird auf Ebene der Sozialpartner verhandelt, damit sitzen auch Vertreter der Wirtschaftskammer und der zuständigen Gewerkschaft Handel Transport Verkehr (HTV) mit am Tisch.
  • 2. April: Die AUA-Gruppe meldet beim AMS 150 Leute zur Kündigung an, der Irak-Krieg erfordere einen schärferen Sparkurs.
  • 5. Juni: Die AUA kündigt zunächst 17 Piloten, bis zum Jahresende könnten weitere 34 folgen. Mit Sparprogrammen will die AUA heuer rund 60 Mio. Euro einsparen.
  • 10. Juni: "Grippe-Epidemie": Zu Beginn der Pfingstfeiertage gibt es gehäufte Krankenstände bei AUA-Piloten. Für die AUA-Führung sind es "konzertierte Störaktionen".
  • 22. Juli: Die AUA nimmt 26 Co-Piloten-Kündigungen zurück, falls die Piloten bis Anfang September einer Teilzeitregelung - Verzicht auf 4 Prozent Arbeit und Lohn - und verkürzten Aufenthalten bei Langstrecken zustimmen.
  • 31. Juli: Gespräche über Sparmaßnahmen auf Sozialpartnerebene blieben ohne Ergebnis.
  • 7. August: Die AUA legt wie erwartet negative Halbjahresergebnisse vor: Das Ebit fiel wegen Irak, Sars und Konjunkturflaute auf -23 (2002: +4,3) Mio. Euro, im Gesamtjahr könne nur im besten Fall des Vorjahresergebnis erreicht werden.
  • 8. August: Vor einer dreitägigen Klausur mit dem Vorstand pochen AUA-Piloten erneut auf einen Konzern-KV. Sie seien bereit, einen Beitrag zum Sparen zu leisten. Das Vorstandsziel, die Kosten im AUA-Flugbetrieb bis 2008 um 35 Prozent - um rund 30 Mio. Euro - zu senken, lehnen die Pilotenvertreter ab.
  • 12. August: Die Verhandlungen scheitern, Piloten und Gewerkschaft sehen sich "im Arbeitskampf". An einer Betriebsversammlung (BV) am Wiener Flughafen nehmen 600 Piloten und Flugbegleiter teil.
  • 14. August: In einer BV beschließen die AUA-Piloten "spontan" einen zweistündigen Warnstreik ab 18 Uhr, Landungen und Urlaubsflüge finden ungehindert statt.
  • 19. August: Neue Gespräche zwischen AUA-Chef Vagn Sörensen und AUA-Bordbetriebsrat Wolfgang Hable enden ergebnislos, Hable kündigt spontane mehrstündige Streikmaßnahmen auf Linienflügen ohne Zeitangabe an.
  • 22. August: Wieder scheitern Gespräche zwischen AUA-Vorstand und HTV. Eine BV mündet in einen dreistündigen Warnstreik. Es gibt keinen Ausfall, aber mehrere Verspätungen.
  • 27. August: Die Spitzen der Sozialpartner, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch bringen die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Vorstand und Bordbetriebsrat wieder in Gang.
  • 16. September: Die Gruppe verpasst sich einen neuen Markenauftritt: Aus Austrian Airlines wird "Austrian", Tyrolean heißt künftig "Austrian arrows", Lauda Air bleibt unverändert. Die Maßnahmen kosten insgesamt 2,3 Mio. Euro.
  • 6. Oktober: Gespräche über Sparmaßnahmen bei AUA-Piloten scheitern neuerlich. Die AUA kündigt die Verlagerung von Produktionen zu Lauda und Tyrolean sowie einen Aufnahmestopp für AUA-Piloten an.
  • 7. Oktober: Eine Betriebsversammlung am Flughafen verursacht keine nennenswerten Störungen im Flugbetrieb. Ein Streikkomitee wird eingesetzt.
  • 9. Oktober: Die Gewerkschaft kündigt für Samstag, 11. Oktober, ab 6 Uhr eine unbefristete Betriebsversammlung am Wiener Flughafen an. Das AUA-Management erreicht vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Versammlung. Der Betriebsrat will aber jedenfalls mit den Kampfmaßnahmen beginnen

(APA)

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