Ebadi wusste nicht einmal von ihrer Nominierung

14. Oktober 2003, 15:19
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Verleihung des Preises eine Art "Schock" - Freilassung politischer Gefangener im Iran gefordert

Paris - Die neue Friedensnobepreisträgerin Shirin Ebadi wurde von der Entscheidung des Osloer Komitees völlig unvorbereitet getroffen. Auf einer Pressekonferenz in Paris, wo sich Ebadi derzeit aufhält, erklärte die iranische Anwältin am Freitag, sie habe bis zum heutigen Tag nicht einmal von ihrer Nominierung für den Preis gewusst und befinde sich noch immer unter einer Art "Schock".

Ebadi forderte auf der Pressekonferenz die Freilassung der politischen Gefangenen in ihrer Heimat. Alle wegen ihres "Kampfes für die Demokratie" Inhaftierten in Iran müssten "so früh wie möglich" auf freien Fuß kommen, sagte Ebadi. Sie fügte zugleich hinzu, der Islam sei "mit den Menschenrechten nicht unvereinbar".

Gegen ausländische Intervention

"Als Oslo angerufen hat, war es ein Schock", sagte Shirin Ebadi am Freitag in Paris der Nachrichtenagentur AP. "Und dann war ich sehr glücklich und froh." Die frischgebackene Friedensnobelpreisträgerin sprach sich zugleich "gegen jegliche ausländische Intervention" in Iran aus. Damit nahm sie indirekt Bezug auf US-Präsident George W. Bush, der Iran in seiner Rede zur Lage der Nation im Jänner 2002 zusammen mit Irak und Nordkorea als "Achse des Bösen" bezeichnet hatte.

Sie betrachte den Friedensnobelpreis nicht nur als persönliche Bestätigung, sondern als Anerkennung "für alle Menschen, die für Menschenrechte und Demokratie in Iran arbeiten", sagte Ebadi vor einer in Paris angesetzten Pressekonferenz in der Zentrale der Internationalen Vereinigung für Menschenrechte.

Mit ihren Äußerungen in Paris legte sich Ebadi erneut mit der ultrafundamentalistischen geistlichen Führung in Teheran an, die das Justizwesen in Iran beherrscht. Wegen ihres Engagements wurde die streitbare Juristin in der Vergangenheit mehrfach inhaftiert. (APA)

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