Oft unerforschte Epidemiologie akuter Atemwegsinfektionen bei Kindern

10. Oktober 2003, 16:00
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Forschungsnetzwerk will Wissenslücke schließen

Marburg - Akute Atemweginfektionen spielen eine große Rolle im Kindesalter: Sie sind der Grund für etwa 20 bis 25 Prozent aller Besuche beim Kinderarzt. Dennoch ist die Epidemiologie dieser Infektionen noch weitgehend unerforscht - die Kinder werden meist "blind" anhand der Symptome behandelt, welches Virus oder Bakterium ein Kind krank macht, bleibt unbekannt.

Das Forschungsnetzwerk PID-ARI.net hat sich zum Ziel gesetzt, diese Wissenslücke zu schließen. Der Name steht für "Pediatric Infectious Diseases Network on Acute Respiratory Tract Infections" (Netzwerk über akute Infektionen der unteren Atemwege bei Kindern). Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss aus Universitätsklinken, Krankenhäusern, Arztpraxen und dem öffentlichen Gesundheitsdienst. An drei Standorten in Deutschland, in Kiel, Mainz und Freiburg, wird innerhalb eines begrenzten Gebietes fortlaufend untersucht, an welchen Erregern Kinder unter 16 Jahren erkranken. Weil sehr viele Viren und Bakterien die Atemwege infizieren, hat PID-ARI.net außerdem einen weltweit einmaligen Test entwickelt. Inzwischen können 19 Erreger gleichzeitig und direkt nachgewiesen werden.

Zunehmende Resistenzen gegen Antibiotika

"Ein Großteil von Atemwegsinfektionen wird durch Viren verursacht. Gegen sie helfen keine Antibiotika. Weil aber anhand des Krankheitsbildes gewöhnlich nicht zu erkennen ist, ob ein Virus oder ein Bakterium die Atemwege infiziert hat, werden dennoch häufig Antibiotika verschrieben, und Resistenzen nehmen zu", so Heinz-Josef Schmitt, Kinderarzt am Zentrum für Präventive Pädiatrie in Mainz und Sprecher des Netzwerkes.

Manche Erreger stehen im Verdacht, Asthma zu fördern. "Wenn wir mehr darüber wüssten, könnten Eltern über mögliche Spätfolgen für ihr Kind aufgeklärt werden", sagt der Professor. "Vielleicht ließe sich durch eine frühzeitige Behandlung bestimmter Infektionen irgendwann einmal verhindern, dass diese Kinder Asthma entwickeln." (APA/AP)

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