Lufthansa baut massiv Stellen ab

16. Oktober 2003, 13:20
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2.000 Jobs werden gestrichen - Krise prolongiert: Weniger Passagiere und Fracht

Frankfurt - Erstmals seit Beginn der Luftfahrtkrise streicht die Deutsche Lufthansa massiv Stellen. In den kommenden Jahren sollen 2.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie ein Konzernsprecher am Freitag in Frankfurt am Main sagte. Am härtesten trifft es demnach die Verluste schreibende Cateringgesellschaft LSG, wo 1.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Mit dem Abbau reagiert das Unternehmen auf insgesamt weiter schwierige Geschäfte: Im September gingen sowohl die Passagierzahlen als auch das Frachtvolumen gegenüber dem Vorjahr erneut zurück.

Knapp 60.000 Mitarbeiter

Der Stellenabbau ist der größte bei der Kranich-Linie seit Anfang der 90er Jahre, als bei der Gesellschaft fast 10.000 Stellen wegfielen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland noch mehr als 59.000 Menschen. Betroffen von den Streichungen sind damit 3,3 Prozent der deutschen Belegschaft. Weltweit arbeiten bei der Airline gut 94.000 Mitarbeiter. Bei den Streichungen setzt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge vor allem auf natürliche Fluktuation - also das altersbedingte oder sonstige Ausscheiden von Mitarbeitern, ohne dass ihre Stellen neu besetzt werden.

Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Manfred Calsow, forderte das Unternehmen auf, auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu prüfen, um Kündigungen zu vermeiden. "Wir sind der Überzeugung, dass betroffene Kollegen im Zuge des Konzernumbaus weiter qualifiziert und umgesetzt werden können", sagte Calsow AFP. "Wir beharren darauf, dass Kündigungen nicht zur Unternehmenskultur der Lufthansa gehören." Darauf habe sich Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber festgelegt, "und darauf werden wir ihn festnageln".

Catering-Firma stark betroffen

Bei LSG, dem weltgrößten Anbieter von Bordmahlzeiten, steht jeder siebente Arbeitsplatz auf dem Spiel. Betroffen seien darüber hinaus 500 bis 600 Jobs bei der Flugzeugabfertigung, sagte der Konzernsprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Weitere 200 Stellen sollen im Gebäudemanagement und hundert bei der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo wegfallen. Die Frachtgesellschaft hatte vor wenigen Wochen mitgeteilt, vom kommenden Jahr an mit verkleinerter Flotte zu fliegen.

Die Kranich-Airline ist eine der wenigen Fluggesellschaften, die trotz Luftfahrtkrise, Irak-Krieg, Lungenkrankheit Sars und Billigflieger-Konkurrenz bisher auf Kündigungen verzichtet hatte. Dabei bewährte sich die Krisenklausel im Tarifvertrag der Mitarbeiter am Boden und in der Verwaltung: Bei drastischen Gewinneinbrüchen sieht diese automatische Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich vor. Der Konzern hatte die Einschnitte zum 1. September aufgehoben.

Lage weiter schwierig

Trotz anziehender Buchungen sei die Lage aber weiter schwierig, betonte die Lufthansa. Im September sank die Zahl der Passagiere im Vergleich zum Vorjahresmonat um ein Prozent auf 4,13 Mio.. Allerdings transportierte das Unternehmen damit auch erstmals in diesem Jahr wieder mehr als vier Mio. Fluggäste in einem Monat. Beim stark konjunkturabhängigen Frachttransport musste die Lufthansa einen Rückgang um 3,2 Prozent auf 132.000 Tonnen verkraften. Im Winter will das Unternehmnen nun sein Angebot nur "moderat ausweiten". Nach wie vor blieben 66 Flugzeuge stillgelegt.

Im Gesamtjahr wird die Lufthansa nach eigener Einschätzung in den roten Zahlen bleiben. Unter dem Strich hatte der Branchenprimus im ersten Halbjahr ein Minus von 392 Mio. Euro eingeflogen. Die Lufthansa-Aktie legte bis zum Nachmittag 14.30 Uhr rund 1,2 Prozent zu. (APA)

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