Zwei US-Soldaten in Bagdad getötet

11. Oktober 2003, 15:46
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Gefecht mit bewaffneten Anhängern eines radikalen Geistlichen in schiitischem Stadtteil der Hauptstadt

Bagdad - Im schiitischen Stadtteil Sadr sind zwei US-Soldaten bei einem Gefecht mit bewaffneten Anhängern eines radikalen Geistlichen getötet worden. Zu der Schießerei kam es am Donnerstagabend gegen 20.00 Uhr, wenige Stunden nachdem ein Selbstmordattentäter im gleichen Viertel neun Menschen vor einer Polizeiwache mit in den Tod gerissen hatte. Am Freitag rückten US-Truppen wieder mit Panzern, unterstützt von niedrig fliegenden Kampfhubschraubern in Sadr ein und umstellten zeitweise das Büro des radikalen schiitischen Geistlichen, Scheich Muktada el Sadr.

Während die US-Streitkräfte mitteilten, ihre Soldaten seien am Donnerstag bei einer Patrouille in einen Hinterhalt geraten, sagte el Sadrs Sprecher Abdel Hadi el Daraji, die Amerikaner hätten das Feuer eröffnet. Mehrere Iraker seien getötet worden. Mitarbeiter im Krankenhaus El Thaura sagten, ein Iraker sei getötet und sieben seien verwundet worden. Einer der Verwundeten, Sayed Hashim el Makussussi, sagte: "Die Amerikaner sind in Humvees (Geländewagen) gekommen. Sie kamen, um uns zu provozieren und unsere Stärke zu testen; sie schossen auf uns und wir schossen zurück."

Zum Freitagsgebet am Mittag versammelten sich tausende Schiiten auf der Straße vor dem Büro el Sadrs, der selbst in der heiligen Stadt Najaf residiert. Bewaffnete Anhänger des Geistlichen sperrten die Straßen in der Umgebung ab. Tausende junger und arbeitsloser Schiiten des Viertels zählen zu seinen Anhängern.

Die Zahl der seit dem am 1. Mai verkündeten offiziellen Ende der Kampfhandlungen im Irak getöteten US-Soldaten stieg mit dem Gefecht vom Donnerstagabend auf 94. In einem anderen Teil der Hauptstadt fiel am Donnerstag ein spanischer Militärattache einem Attentat zum Opfer.

Gedenkveranstaltung in London

Königin Elizabeth II. und Premierminister Tony Blair nahmen am Freitag in der St.-Pauls-Kathedrale in London an einem Gottesdienst zum Gedenken an die im Irak getöteten Briten teil. Zu den rund 2000 Gästen zählten neben weiteren Mitgliedern der Regierung und des Königshauses auch die Angehörigen der während des Krieges und nach Ende der Kampfhandlungen im Irak ums Leben gekommenen 51 Soldaten und Militärbediensteten. Entgegen früheren Anlässen dieser Art, wie etwa nach dem ersten Golfkrieg oder dem Falkland-Krieg, gab es nach dem Gottesdienst keine Siegesparade.

USA: Weitere finanzielle Mittel bereitgestellt

Ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses beschloss unterdessen die Bereitstellung von weiteren 86,8 Milliarden Dollar für den amerikanischen Einsatz im Irak und Afghanistan. Die Entscheidung im Bewilligungsausschuss fiel am Donnerstag mit 47 gegen 14 Stimmen. Die Mittel entsprechen in etwa den von Präsident George W. Bush vor einem Monat geforderten 87 Milliarden Dollar (73,8 Milliarden Euro). Der größte Teil des Geldes, rund 65 Milliarden Dollar, ist für den Militäreinsatz im Irak und Afghanistan bestimmt. 21,6 Milliarden Dollar sind für den Wiederaufbau vorgesehen. Die Debatte über die Bewilligung der Gelder im Plenum des Repräsentantenhaus soll in der nächsten Woche beginnen. Der Senat will kommende Woche über ein ähnliches Paket abstimmen.

USA wollen an Termin für Irak-Geberkonferenz fest

Ungeachtet der Bedenken Berlins und Moskaus wollen die USA am Termin für die Irak-Geberkonferenz am 23. und 24. Oktober in Madrid festhalten. Niemand habe bisher formell eine Verschiebung beantragt, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher am Donnerstag in Washington. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin hatten in Jekaterinburg Bedenken über den Termin geäußert.

Die spanische Außenministerin Ana Palacio lehnte eine Verschiebung der Irak-Geberkonferenz ab. Alle Vorbereitungen seien getroffen, sagte sie nach Rundfunkberichten vom Freitag. Madrid sei aber für andere Meinungen offen.

Bei der Konferenz wird es um die Finanzierung des Wiederaufbaus im Irak gehen. Die Veranstalter hoffen auf Milliarden-Zusagen der internationalen Staatengemeinschaft. Nach Schätzungen der USA und der Weltbank sind in den kommenden vier Jahren bis zu 55 Milliarden Dollar notwendig. Bisher liegen aber nur wenige Geldzusagen vor. (APA/AP/dpa)

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