Hemdsärmelig an die Spitze von Microsoft

14. Jänner 2000, 06:53

Steve Ballmer ist seit Jahren die rechte Hand von Bill Gates.

Washington - Steve Ballmer rückt in Hemdsärmeln an die Spitze von Microsoft: Der 43-jährige gilt seit langem als Thronfolger von Wunderkind Bill Gates. Sein Wort hat Gewicht, nicht nur in der Software-Industrie, sondern auch an der Börse. Während Gates um die Welt reiste, um den Ruhm seines Unternehmens zu mehren, führte der stämmige Ballmer schon bisher in Redmond im US-Bundesstaat Washington die Geschäfte. Für die Partner des Software-Giganten ist er seit langem der eigentliche Gesprächspartner.

Herkunft

Seit Donnerstag steht er nun auch offiziell als Chief Executive Officer (CEO) an der Spitze des erfolgreichsten Unternehmens der vergangenen zwanzig Jahre. An der renommierten Harvard-Universität tat er sich hervor mit Abschlüssen in Mathematik und Betriebswirtschaft. Seine Sporen verdiente er sich bei Procter & Gamble, bevor er die höheren Weihen in den Bereichen Management und Handel an der Stanford-Universität erlangte.

Zu Microsoft stieß Ballmer, der Gates von gemeinsamen Harvard-Zeiten kennt, im Jahr 1980. Er durchlief dort eine Reihe von Positionen, mit besonderem Augenmerk auf den Kundendienst und internationale Kontakte. Die Erfolgsleiter führte ihn rasch auf den Posten den Verkaufschefs, bevor er in das zwölfköpfige Führungsgremium des Konzerns aufstieg. Als rechte Hand von Bill Gates vertrat er in den vergangenen Monaten das Unternehmen nach außen, lobbyierte, beantwortete die Fragen von Journalisten und vereinbarte Abkommen mit Konkurrenten und Mitbewerbern. Sein Vermögen beträgt derzeit etwa 25 Milliarden Dollar (24,3 Mrd. Euro/335 Mrd. S). Das macht ihn laut einer Aufstellung des Wirtschaftsmagazins "Forbes" zum viertreichsten Mann der USA.

Lapsus mit Folgen

Nur einmal machte Ballmer in aller Öffentlichkeit einen Fehltritt, weil er seinen eigenen Einfluss unterschätzte: Ende September antwortete er auf die Frage eines Wirtschaftsjournalisten, welche Geschichte sie verpasst hätten, mit den Worten, er halte die Bewertung von Technologiewerten für "fast absurd". Seine Bemerkung wirkte wie eine Abrisskugel auf die Aktienmärkte. Binnen weniger Stunden fiel der Dow Jones um 1,95 Prozent, der technologielastige Nasdaq sogar um 3,8 Prozent; auch die Märkte in Asien und Europa waren betroffen.

Die Gedankenlosigkeit kostete Ballmer selbst rund 1,17 Milliarden Dollar. Als er kürzlich auf den Patzer angesprochen wurde, brach er in breites Lachen aus - und hütete sich wohlweislich davor, seinen Fehler zu wiederholen. (APA)

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