Immer mehr junge Räuber und Diebe

15. Oktober 2003, 15:53
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Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen ist in einigen Deliktbereichen sprunghaft angestiegen - Über die Ursachen gibt es verschiedene Theorien

Wien/Linz - "Sie haben gesagt, dass sie es aus Langeweile gemacht haben. Einer wollte einmal den Knall einer Explosion hören, ein anderer den Blitz sehen", fasst Andreas Krajcsy vom Landesamt für Verfassungsschutz die Motivation jener Jugendlichen zusammen, die vor einer Woche eine Telefonzelle in Wien-Floridsdorf gesprengt haben. Drei der nun ausgeforschten Verdächtigen sind 16 Jahre alt, dazu kommt ein 23-Jähriger.

Hubkran in Betrieb gesetzt

Auch in Wien-Hietzing waren es Jugendliche, die vor zweieinhalb Wochen im Schlossgarten Schönbrunn 45.000 Euro Schaden angerichtet haben. Ein 14-Jähriger hatte eine Bauhütte aufgebrochen und einen Hubkran in Betrieb gesetzt, mit dem er den Obeliskenbrunnen rammte. Der Bub sei Teil einer mehrköpfigen Clique zehn bis 16 Jahre alter Kinder und Jugendlicher, die für eine Reihe von Vandalenakten verantwortlich sein sollen, berichtet Alois Pommer vom Kriminalkommissariat Süd.

Jugend wird nicht krimineller

Trotz dieser spektakulären Einzelfälle glaubt Pommer aber nicht, dass Wiens Jugend krimineller wird. "Solche Sachen hat es früher auch schon gegeben", ist der Beamte überzeugt. Österreichweit gesehen widersprechen ihm allerdings die Zahlen der Kriminalstatistik teilweise.

Raub und Diebstahl stieg um mehr als elf Prozent

Zum Beispiel Raub, Diebstahl und andere Delikte gegen fremdes Vermögen: Im Jahr 2001 wurden 2435 Tatverdächtige ausgeforscht, die zwischen zehn und 14 Jahren alt waren. Im vergangenen Jahr waren es bereits 3510, ein Anstieg um 44 Prozent. Bei den unter Zehnjährigen stieg die Zahl derer, die zumindest eine strafbare Handlung begangen haben, von 693 auf 773 an - ein Plus von mehr als elf Prozent.

Schulprojekte

Der Sicherheitsdirektor von Oberösterreich, Alois Lißl, konstatiert für sein Bundesland vor allem im Bereich Raub ein Problem. "Von den rund 120 Raubdelikten bei uns wurde ein Gros von Jugendlichen verübt, auch auf offener Straße", resümiert er. In diesem Bereich klettern die Zahlen kontinuierlich nach oben - und das, obwohl im Land ob der Enns schon seit Jahren Schulprojekte zur Thematik laufen.

Hintergrund: Wirtschaftliche Lage der Jugendlichen

Während Lißl allerdings "auch irgendwo einen Erziehungsfehler" ortet, sieht Walter Hammerschick vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie die Sache anders: "Ich warne vor Thesen, die vom Zerfall der Gesellschaft und der Familien als Ursache steigender Kriminalität ausgehen. Ein Teil der Hintergründe gerade bei Eigentumsdelikten kann dagegen die wirtschaftliche Lage der Jugendlichen sein", meint er. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 10.10.2003)

Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen ist in einigen Deliktbereichen sprunghaft angestiegen. Über die Ursachen gibt es verschiedene Theorien, die Exekutive versucht unter anderem mit langfristig angelegten Schulprojekten gegenzusteuern.
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    Ein Teil der Hintergründe bei Eigentumsdelikten kann die wirtschaftliche Lage der Jugendlichen sein

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