Grünstromerzeugung als Balanceakt

12. Oktober 2003, 19:42
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Der Öko-Anbieter Alpen-Adria Energy setzt auf dosierten Mix der Produktionsquellen

Der extrem warme und trockene Sommer hat auch die Ökostromerzeuger ins Schwitzen gebracht. Die Produktion in den Kleinwasserkraftwerken ist auf 30 Prozent eines Normjahres eingebrochen, beim Wind betrug das Minus rund 20 Prozent. Zugleich haben die Dürreschäden in der Landwirtschaft die Preise für Biomasse (wie Mais) in die Höhe getrieben, bei Hackschnitzeln und Rind wird ebenfalls ein Preissprung erwartet.

Richtig dosiert

"Daher ist es wichtig, dass die Anlagen für erneuerbare Energie in einem richtig dosierten Mix gebaut werden", sagte Wilfried Klauss, Mitgründer des Grünstrom-Anbieters Alpen-Adria-Energy (AAE) dem STANDARD. Sprich, eine ausgewogene Balance zwischen witterungsabhängigen (wie Wind oder Laufkraftwerke) und von den Unbilden der Natur unabhängige (Biomasse und Speicherkraftwerke) Erzeugungsformen.

Die als Reaktion auf die Marktliberalisierung 1998 gegründete AAE ist laut eigenen Angaben ein Verbund von unabhängigen Ökostromerzeugern (derzeit 50 Kraftwerke). Konkret sind es Betreiber von Kleinwasserkraftwerken, Solarstrom-Gemeinschaften, bäuerliche Biogaserzeuger, Windparks und regionale Energieversorger in Österreich, Italien, Slowenien sowie Polen. Diese breite geografische Streuung reduziere die Abhängigkeit von meteorologischen Verhältnissen weiter, erläuterte Klauss.

Tarife verbesserungswürdig

Auch wenn das seit Sommer 2002 geltende österreichweite Ökostromgesetz mehr Investitionssicherheit gebracht habe und neue Jobs entstehen lasse, sei die Tarifgestaltung verbesserungswürdig. Insgesamt werden die Stromkunden für Ökoenergie heuer mit 225 Mio. Euro zur Kasse gebeten. "Bei der Kleinwasserkraft sind die Tarife sehr mager, damit ist kaum noch ein neues Kraftwerk zu errichten." Dies, obwohl diese Anlagen technisch am fortgeschrittensten seien.

Nicht anschließen will sich Klauss den Forderungen der Solarbranche, die Deckelung bei der Förderung anzuheben. Um eine wichtige Rolle in der Stromerzeugung spielen zu können, müsse es noch einige Technologiesprünge geben. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD Print-Ausgabe, 10.10.2003)

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