Böhler-Verkauf ohne Umtauschanleihe

15. Oktober 2003, 19:02
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Die Vorbereitungen für die Privatisierung laufen - Bis 27. November, dem "Truthahn-Tag", soll die Sache gegessen sein

Wien - "Ich widerspreche dem Truthahn-Datum nicht." ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch lässt keinen Zweifel daran, dass die Privatisierung des 25-Prozent-Staatsanteils am Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm (BU) noch vor dem US-Feiertag Thanksgiving, also vor dem 27. November, über die Bühne gehen sollte.

Beschlossen sei dies vom Aufsichtsrat aber noch nicht, betonte Wieltsch im STANDARD-Gespräch. Auch der Privatisierungsausschuss wurde noch nicht befasst, bestätigen ÖIAG-Aufsichtsratsmitglieder. Die Entscheidung sollte in den nächsten Wochen fallen, wenngleich es laut Wieltsch noch nicht einmal einen fixen Fahrplan für den angepeilten Verkauf über die Börse gibt.

"Keine Umtauschanleihe"

Fest steht immerhin, dass die Verstaatlichtenholding "sicher keine Umtauschanleihe" auf BU-Aktien begeben werde, wie dies jüngst bei Voest und Telekom Austria praktiziert wurde. Der "Exchangeable", wie die - allseits heftig kritisierte - Umtauschanleihe im Fachjargon heißt, sei bei der Voest sehr sinnvoll gewesen, betonte Wieltsch. Denn rund 20 Prozent des zu privatisierenden, insgesamt 34,7 Prozent umfassenden Voest-Aktienpakets sei jene kritische Größe gewesen, die problemlos über die Börse zu verkaufen gewesen sei. Bei der Platzierung des Gesamtpakets wäre ein Aktienüberhang entstanden, der möglicherweise den Kurs gedrückt hätte.

Beim wesentlich kleineren Böhler-Paket - gemessen am derzeitigen Aktienkurs ist es rund 130 Mio. Euro wert - sei eine Umtauschanleihe aber nicht notwendig. Diskutiert wird bei der Privatisierung des österreichisch-schwedischen Weltmarktführers für Werkzeugstahl auch noch, ob es ein Angebot für Privatanleger geben wird. "Der Voest-Verkauf war ein voller Erfolg, Kleinanleger haben 1,4 Millionen Aktien gekauft", sagt Wieltsch.

Kosten/Aufwand

Kapitalvertreter im Aufsichtsrat der Wiener Börse halten davon wenig: Zur Voest hätten die Oberösterreicher immer eine tiefe emotionale Bindung gehabt, die im Standort Linz begründet sei. Bei Böhler gebe es eine derartige "Hausmacht" aber nicht einmal in Kapfenberg. Daher stünde der Aufwand eines Secondary Public Offering in keinem Verhältnis zu Kosten und Erfolg.

Damit zeichnet sich das von Böhler-Chef Claus Raidl bereits vor Monaten vorgeschlagene Privatisierungsszenario ab: die Platzierung in Tranchen bei institutionellen Investoren. Die um den Badener Rechtsanwalt Rudolf versammelte Investorengruppe (sie ist mit rund 26 Prozent bereits jetzt größter Einzelaktionär von Böhler-Uddeholm) scheidet als Käufer übrigens aus.

Sie kann nur mehr ein paar Prozentpunkte zukaufen, sonst würde laut Übernahmegesetz ein Angebot an alle Aktionäre fällig. Auf einen schnellen Verkauf deuten die hektischen Börsevorbereitungen bei Böhler hin. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Print-Ausgabe, 10.10.2003)

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