Schneller, stärker, teurer

20. Oktober 2003, 20:17
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Dienstauto-Fetischisten in der Bundesregierung - von Michael Völker

Es war Kurzzeit-Justizminister Michael Krüger, der sich als Dienstwagen einen Jaguar wünschte, damit aber scheiterte, weil ihn (andere) psychische Probleme aus dem Amt rissen. Immer-noch-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wusste sich dagegen mit einer Durchführungsverordnung zu helfen und kam so zum damals teuersten Dienstauto der Bundesregierung: einem Audi A8 mit einem 3,3 Liter Turbodieselmotor, sprich 225 PS. Wer wird ihm das neiden, wo er doch sonst so mit unserem Geld sparen muss?

Natürlich sind Autos, besonders Dienstautos, auch Prestigeobjekte. Je größer, teurer und stärker der Wagen, umso gewichtiger die chauffierte Person. Vor dieser Erkenntnis sind auch die Mitglieder dieser Regierung nicht gefeit, selbst wenn manche von ihnen folgerichtig mit einem Smart unterwegs sein müssten. Infrastrukturminister Hubert Gorbach und Staatssekretär Helmut Kukacka wollen dagegen aufrüsten. Verständlich, dass Gorbach einen größeren will, ist er doch Minister, Kukacka nur Staatssekretär. Das muss sich PS-mäßig niederschlagen.

Damit diesen Gelüsten der Regierungsmitglieder keine kleinlichen (Hubraum-)Grenzen mehr gesetzt sind, wurde der entsprechende Paragraf gestrichen - pikanterweise parallel zur beschlossenen Anschaffung der Eurofighter und zur Kürzung der Pensionen. Man muss eben wissen, wo man spart. Nicht bei den Dienstkarossen, da ist jetzt nach oben hin alles offen.

Natürlich könnte man jetzt von Privilegienrittern, von einer Prasser-Regierung, einem peinlichen Wettrennen oder von unnötig teuren Prestigefahrzeugen sprechen. Aber wer wird sich angesichts von Pensionskürzungen, Selbstbehalten und zwei Milliarden Euro für neue Kampfflugzeuge schon über ein paar Luxuskarossen für die werten Minister empören? Na eben. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2003)

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