Wahlsieg verleiht Flügel

10. Oktober 2003, 15:01
7 Postings

Steirischer SP-Chef Voves sieht sich durch den Wahlerfolg der Roten in Oberösterreich bestärkt: "Klasnic muss mit mir rechnen"

Graz – Der Wahlsieg in Oberösterreich verleiht der SPÖ jetzt auch in den anderen Bundesländern Flügel. Oberösterreich habe gezeigt, dass "die Menschen in Österreich diese zügellose Privatisierungs- und Konfliktpolitik nicht goutieren". Der steirische SPÖ-Chef und Landeshauptmannvize Franz Voves will diesen Unmut auch in der Steiermark geortet haben und dafür jetzt Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, die "diese Politik des Bundes ja voll mitträgt", in die Verantwortung nehmen.

Franz Voves: "Ich werde das in den kommenden Monaten sehr genau thematisieren und sehr klar die Emotionen der Menschen ansprechen. Waltraud Klasnic muss ab sofort mit mir rechnen und sich verantworten." Mittelfristiges Ziel der SPÖ-Offensive: Nach den kommenden Wahlen 2005 sei auch ein Landeshauptmann Franz Voves nicht auszuschließen. Voves im Gespräch mit dem _Standard: "Wenn nach der nächsten Wahl eine Konstellation entsteht, wo man mit einer anderen Partei die Möglichkeit im Landtag vorfindet, dass es auch einen Landeshauptmann Voves geben kann, dann werde ich mich sicher nicht dagegen wehren."

Schwarze Dominanz

Wiewohl er Realist genug sei und die Dominanz Klasnics im Land erkenne. Allerdings habe Oberösterreich gezeigt, "was alles möglich ist". Voves: "Frau Klasnic ist natürlich ein Faktor in der Steiermark. Sie hat es verstanden, sich mit dem Slogan ,Ich liebe alle Steirerinnen und Steirer‘ auf sympathische Weise der steirischen Bevölkerung zu nähern. Nur jetzt geht's langsam darum, und viele fragen sich schon, was bietet uns Frau Klasnic eigentlich inhaltlich? Ich habe nachweislich vier Monate lang nicht gehört, dass sie zum Schicksal der Voest in der Steiermark irgendeinen Muckser gemacht hätte. Sie muss sich jetzt deklarieren, ob sie diese Sozialabbaupolitik ihrer Partei mitträgt oder nicht."

Voves spricht dem "regierenden konservativen Flügel" in der ÖVP grundsätzlich eine Führungsrolle in einer Koalition ab. Der SP-Chef: "Ich glaube, sie können genetisch nichts anderes, als nur Zweiter sein. Sie akzeptieren und beherrschen das Prinzip einer Konsenspolitik, dieses "Leben und Leben lassen", nicht. (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Alles was Flügel hat fliegt": der steirische SP-Chef Franz Voves will es versuchen.

Share if you care.