Pensionskassen wenig transparent, schlecht gemanagt

16. Oktober 2003, 15:55
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Mercer-Studie warnt: Mittelfristig überleben maximal drei der sieben überbetrieblichen Kassen - mit Infografik

Wien - Das Beraterunternehmen Mercer HR Consulting übt in einer aktuellen Studie heftige Kritik an der Wirtschaftlichkeit der sieben überbetrieblichen Pensionskassen, die rund drei Viertel des gesamten Pensionskassenvermögens von 8,3 Mrd. Euro verwalten. Ihnen wird nicht nur eine zu geringe Eigenkapitalausstattung, mangelnde Transparenz und Auskunftsfreudigkeit, sondern auch Fehlmanagement bei der Veranlagung der ihnen anvertrauten Gelder vorgeworfen. "Wir müssen aufpassen, dass wir diese Säule nicht kaputt machen", warnte Mercer-Geschäftsführer Kurt Bednar bei einem Pressegespräch in Wien am Donnerstag.

Druck auf Arbeitgeber immer größer

Durch das schlechte Veranlagungsergebnis werde der Druck auf die Arbeitgeber, freiwillig Nachschüsse zu leisten, immer größer, so Bednar weiter. Der Pensionskassen-Experte geht davon aus, dass auf Grund des Fehlmanagements und der geringen Finanzkraft mittelfristig nur zwei bis drei Pensionskassen "überleben" werden.

Die ersten Opfer würden die neuen Pensionskassen mit noch geringem Volumen sein. Das Vermögen von Anwartschafts- und Leistungsberechtigten wäre im Falle einer Insolvenz aber nicht gefährdet, es würde von einer anderen PK übernommen werden, beruhigte Bednar. Ende 2002 hielt laut Mercer die VPK den höchsten Marktanteil mit 29,2 Prozent, die APK kam auf 25 Prozent, die ÖPAG auf 22,3 Prozent, die BVK auf 15,9 Prozent, die VVPK auf 5,2 Prozent, die Allianz auf 1,2 und die Bonus auf 1,1 Prozent.

EU-Pensionskassengesetz

Bednar fordert - nach dem im Sommer beschlossenen "Finanzhilfegesetz" für die unter Druck geratenen Pensionskassen - vom Gesetzgeber eine "rasche, große und EU-taugliche" Pensionskassengesetz (PKG)-Novelle, "mit der Chance, auch für ausländische Arbeitnehmer attraktiv zu werden". Diese Novelle sollte neben mehr Transparenz auch über den Stand der Veranlagungsstrategie informieren und Vertrauen wieder herstellen.

Den Pensionskassen rät der Pensionskassen-Experte "zuerst eine Flurbereinigung" bei sich selber zu machen und etwa die Zahl der Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG) von derzeit über 100 zu verringern. Um wieder positiv zu performen sollte in einem "geordneten Rückzug" die Aktienquote auf 15 Prozent von derzeit 30 Prozent zurückgefahren werden. Die ursprünglich beim Start der Pensionskassen vor 13 Jahren in den Geschäftsplänen festgehaltenen 7,5 Prozent jährlicher Performance hält Bednar langfristig - auf 20 bis 30 Jahre - aber weiterhin für erzielbar.

Fehlmanagement

Mercer wirft den Pensionskassen auch Fehlmanagement bei der Veranlagung der Pensionsgelder vor. Die "Asset Allocation" sei entweder unprofessionell oder gar nicht erfolgt, fast alle überbetrieblichen Pensionskassen hätten trotz der schlechten Aktienmarktentwicklung an ihrer 'alten' Veranlagungsstrategie aus 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen festgehalten. "Man hätte in schwierigen Zeiten basierend auf Asset-Liability-Studien andere Veranlagungsstrategien festlegen müssen", so Bednar. Dies Möglichkeit werde großteils bis dato nicht genutzt.

Bereits 2001 hätten fünf der sieben Pensionskassen eine negative Performance erwirtschaftet. Im Jahr danach habe dann keine einzige Kasse mehr ein positives Ergebnis erzielen können, so die Leiterin der Mercer-Studie, Michaela Plank. Auch sie befürchtet, dass das schlechte Veranlagungsergebnis entweder massive Nachschussverpflichtungen seitens des Arbeitgebers oder massive Kürzungen für die Pensionsbezieher bringen wird.

Deutliches Minus erwirtschaftet

Den aktuellen Zustand der Pensionskassen - neben 7 überbetrieblichen gibt es noch 13 betriebliche - beschreibt Mercer an Hand der Performancezahlen aller offenen Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG) der sieben überbetrieblichen Pensionskassen. 2002 wurde hier durchschnittlich ein Minus 6,65 Prozent erwirtschaftet.

Die Allianz wies in diesem Segment, das etwa ein Drittel der gesamten über 100 VRG umfasst, im Vorjahr mit -9,17 Prozent das schlechteste Veranlagungsergebnis auf. Es folgten die VVPK mit -8,26 Prozent, Bonus mit -7,78 Prozent, APK mit -7,0 Prozent, ÖPAG mit -6,45 Prozent, BVP mit -5,33 Prozent und VPK mit -2,7 Prozent. Von den insgesamt 104 VRG sind 29 offene VRG, an denen jeder Arbeitnehmer teilnehmen kann. (APA)

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