Zeitungen müssen "Anpassungskrise" meistern

23. Oktober 2003, 20:39
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Hombach: Probleme nur teilweise zyklisch bedingt

Über Chancen, Risiken und Zukunft von Tageszeitungen in Deutschland und Österreich ist am Donnerstag bei den 10. Österreichischen Medientagen diskutiert worden. Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, sieht die schlechte Lage des deutschen Printmarkts "als Anpassungskrise, nicht als Existenzkrise".

Ein Teil des Problems sei zyklisch bedingt, so Hombach. Aber: "Wesentliche Strukturen haben sich verändert. Abwarten und Aussitzen ist auf jeden Fall gefährlich." Bei so manchem Verlag seien die Probleme außerdem hausgemacht. Die WAZ, deren fast schon sprichwörtliche Sparsamkeit von hämischen Kommentatoren früher in die Nähe des Lebensmitteldiskonters Aldi (in Österreich Hofer) gerückt wurde, sehe sich nun bestätigt. Und könne auch in schwierigen Zeiten im nordrhein-westfälischen Kerngebiet 200 Mio. Euro in neue Druck-Infrastruktur investieren.

Hombach brach indes auch eine Lanze für journalistische Qualität. Glaubwürdigkeit werde in Zeiten, in denen man "mit Information zugekübelt" werde, immer wichtiger, "und das ist nicht Idealismus, sondern kühles Marktkalkül". Dies gelte für alle Printsparten: "Ich gehöre zu denen, die gutem Boulevardjournalismus auch Qualität zubilligen." Hombach warnte auch vor dem "bösen Trend", Werbung, Public Relations und Redaktionelles zu vermischen. Auch den "Trendjournalismus" geißelte er: "Es langweilt die Konsumenten, wenn alle zur gleichen Zeit die gleiche Sau durchs Dorf treiben", sagte der WAZ-Manager. (APA)

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    Warnt vor dem "bösen Trend", Werbung, Public Relations und Redaktionelles zu vermischen: Bodo Hombach.

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