Schwarzes Gold muss fließen

14. Oktober 2003, 14:12
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Die umstrittene Pipeline zwischen dem Tschad und Kamerun ist fertig - Das Projekt wurde von der Weltbank gefördert, mit im Boot sitzen Exxon und Chevron - Hauptabnehmer sind die USA

Yaounde - Die Präsidenten von Kamerun und Tschad nehmen am Freitag das bisher größte Entwicklungsprojekt der Weltbank in Afrika offiziell in Betrieb: Paul Biya und Idriss Deby weihen gemeinsam eine 1.075 Kilometer lange Öl-Pipeline von den Doba-Ölfeldern im Süden Tschads zum kamerunischen Atlantikhafen Kribi ein. Der erste Tanker mit 950.000 Barrel Öl aus Tschad verließ den Hafen Kribi bereits in der vergangenen Woche.

Von den USA initiert

Initiiert wurde das Projekt 1996 von den USA, die sich vom Öl aus Westafrika eine größere Unabhängigkeit von Importen aus dem arabischen Raum erhoffen. Bisher ist es vor allem Nigeria, das westafrikanisches Öl in die USA ausführt.

Die Pipeline wird von einem internationalen Konsortium betrieben, an dem die US-Konzerne Exxon Mobil mit 40 Prozent und ChevronTexaco mit 25 Prozent beteiligt sind. Der malaysische Ölkonzern Petronas hat einen Anteil von 35 Prozent. Die Baukosten beliefen sich auf 3,7 Mrd. Dollar (3,14 Mrd. Euro). Drei Prozent der Finanzierung wurden von der Weltbank übernommen, die damit zum ersten Mal die Entwicklung der Ölförderung unterstützen. Weitere Finanziers sind die Europäische Investmentbank (EIB) und mehrere private Geldinstitute.

300 Ölquellen

Das Pipeline-Projekt schließt die Entwicklung von rund 300 Ölquellen in den Ölfeldern von Doba ein. Deren Reserven werden auf mehr als 900 Millionen Barrel geschätzt - das Fass zu 159 Litern. Die Tagesproduktion soll in der Spitze 250.000 Barrel erreichen. Über einen Zeitraum von 25 Jahren erwartet Tschad Einnahmen von zwei Mrd. Dollar, für Kamerun sollen 500 Mio. Dollar in die Kassen fließen. Die tschadische Regierung hat zugesagt, den größten Teil der Einnahmen in Programme zur Bekämpfung der Armut fließen zu lassen.

Ein Bündnis von zwölf Nichtregierungsorganisationen, darunter die Westafrika-Gruppe von Amnesty International und 'Brot für die Welt', kritisierte jedoch, dass die Zusagen für eine umwelt- und sozialverträgliche Ölförderung im Süden Tschads nicht eingehalten worden seien: "Die realen Lebensbedingungen der Menschen haben sich verschlechtert." So habe die vom Konsortium der Ölkonzerne betriebene Politik von Kurzzeitverträgen mit möglichst vielen Menschen die soziale Struktur der Region nachhaltig zerstört.

"Für ein- bis dreimonatige Jobs verließen viele Männer ihre bisherigen Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Schule oder Gesundheitswesen." Ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen in Tschad habe daher für Freitag zu einem Tag der Trauer aufgerufen. Außerdem kritisierten internationale Umweltschutzorganisationen, die Pipeline gefährde die Regenwälder in Kamerun und die dort lebenden Pygmäen. (APA/AP)

  • Die Tschad-Kamerun-Pipeline ist fertig. Die 3,14 Milliarden Euro für den Bau sind gut investiert.
    foto: esso

    Die Tschad-Kamerun-Pipeline ist fertig. Die 3,14 Milliarden Euro für den Bau sind gut investiert.

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