Niederländer an österreichischer Post interessiert

15. Oktober 2003, 19:03
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TPG drängt ins Ausland und bestätigt Interesse an Einstieg in Belgien, Dänemark, Österreich

Brüssel/Wien - Die niederländische Post TPG drängt ins Ausland. Mit Blick auf die anstehende Privatisierung verschiedener europäischer Postgesellschaften hat der niederländische Postkonzern TNT Post Groep (TPG) sein Interesse an Übernahmen bekundet, schließt aber eine Minderheitsbeteiligung aus. Hinsichtlich einer Beteiligung etwa an der dänischen, österreichischen oder belgischen Post sagte TPG-Chef Peter Bakker in der heutigen "Financial Times Deutschland": "Wir sind daran interessiert. Aber wir wollen die Mehrheit. Eine 25-Prozent-Beteiligung hilft uns nicht weiter."

Damit überlässt der Niederländer seinem größten europäischen Rivalen, der Deutschen Post, größeren Handlungsspielraum bei der Suche nach Wachstumsmöglichkeiten im ausländischen Briefgeschäft. Zwar ist der Zeitpunkt der Privatisierung der staatlichen Postunternehmen in den betreffenden Ländern - so auch in Österreich - noch lange nicht abzusehen - Deutschlands Post-Chef Klaus Zumwinkel und TPG-Boss Bakker haben aber schon vorsorglich ihr Interesse bekundet.

Minderheitsbeteiligung nicht ausgeschlossen

Im Unterschied zu seinem niederländischen Kollegen schließt der Deutsche Zumwinkel dabei jedoch eine Minderheitsbeteiligung nicht kategorisch aus, zumindest für den Einstieg, schreibt die Zeitung in ihrer Donnerstag-Ausgabe.

Vor allem die fortschreitende Liberalisierung des Briefmarkts zwingt die Unternehmen, auch Märkte jenseits der heimischen Grenzen ins Visier zu nehmen: Immer mehr private Anbieter drängen in das lukrative, bislang monopolgeschützte Gewerbe und vermasseln den meist noch staatlichen Postunternehmen das Geschäft. In ganz Europa müssen die Postgesellschaften daher empfindliche Umsatzeinbrüche im nationalen Briefgeschäft hinnehmen.

"Wie ein Puma"

"Die einzige Wahl, die man hat, ist sich wie ein Puma zu verhalten", sagt Johnny Thijs, Chef der belgischen Post, zur Stimmung in der Branche. "Um im Kampf zu überleben, muss man fressen. Die Alternative ist, gefressen zu werden", sagte er bei der diesjährigen Post Expo, dem Branchentreff in Brüssel.

Selbst die TPG, die mit europaweit einzigartigen Umsatzrenditen von über 20 Prozent im Briefgeschäft glänzt, kann sich dem Druck nicht entziehen. Bakker glaubt, dass das Volumen des niederländischen Briefgeschäfts mittelfristig um 20 Prozent abnimmt. "Unsere Umsatzrenditen werden dennoch auf dem jetzigen Niveau bleiben", sagt er.

Angriff auf den deutschen Briefmarkt

Mit diesem Ziel hat die TPG, die noch zu 35 Prozent in staatlicher Hand ist, zum Angriff auf den deutschen Briefmarkt angesetzt. "Es ist schwierig, im deutschen Markt Fuß zu fassen", räumt Bakker in dem Zeitungsinterview ein. Durch Zukäufe regionaler Vertreiber sowie mit Hilfe von Partnerunternehmen ist es der niederländischen Post dennoch gelungen, ein großflächiges Vertriebsnetz aufzubauen. "Bisher sind wir regional organisiert, bis 2005 oder 2006 wollen wir über unser eigenes nationales Netzwerk in Deutschland verfügen", so Bakker.

Damit wäre TPG die erste europäische Postgesellschaft, der es gelänge, im heimatlichen Revier einer alt eingesessenen Postgesellschaft ein flächendeckendes Briefzustellernetz aufzubauen. Mit Blick darauf plant Bakker weitere kleinere Akquisitionen. Genaueres zu seinen Expansionsplänen wollte er aber nicht sagen.(APA)

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