Wo Päpste schreien dürften

13. Oktober 2003, 20:23
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"Francis Bacon und die Bildtradition" im Kunsthistorischen Museum

Wien - Erste große Einzelausstellung zu Francis Bacon (1909-1992) in Österreich im Kunsthistorischen Museum (KHM): Unter dem Titel "Francis Bacon und die Bildtradition" stellt Gastkuratorin Barbara Steffen ab 14. Oktober rund 40 Werke in Beziehung zu ebenso vielen Bildern anderer Künstler wie Velazquez, Rembrandt, Tizian, Ingres oder Degas.

Schreiende Päpste

Die Ausstellung ist in verschiedene Themenkreise gegliedert. Natürlich werden Bacons berühmte Papstbilder, die sich direkt auf das Velázquez-Porträt von Papst Innozenz X. beziehen und mit insgesamt fast 50 Variationen einen der Schwerpunkte seines Schaffens bilden, ausführlich behandelt. Sechs der schreienden Päpste Bacons sind in der Ausstellung zu sehen, ebenso wie berühmte Papstbilder anderer Künstler. Das Motiv "Der Schrei" wird ebenso behandelt wie das Motiv des Käfigs, der Bildtypus des Triptychons (wofür die "Three Studies for a Crucifixion" aus dem New Yorker Guggenheim Museum anreisen) oder die Themen Porträt und Selbstporträt. Dem Thema Bacon und der Surrealismus wird ebenso Raum eingeräumt wie seinen Variationen über Van Gogh.

In Wien läuft die Ausstellung bis zum 18. Jänner 2004, anschließend wird sie von der Fondation Beyeler in Basel übernommen.

Stolzer Seipel

"Francis Bacon im Zusammenhang mit der Tradition der Malerei zu zeigen, der Bildtradition seiner Werke in bestimmten Bereichen nachzuspüren, auf jenen Fundus zurückzugreifen, mit dem Francis Bacon selbst gearbeitet hat, entwickelte sich zu einem faszinierenden Ausstellungsprojekt, dessen Verwirklichung in dem hier gezeigten Umfang anfangs gar nicht zu erhoffen war", schreibt KHM-Direktor Wilfried Seipel in seinem Katalog-Vorwort. Bacon selbst war 1985 anlässlich einer von ihm kuratierten Schau alter Meister in der National Gallery in London von dem ursprünglichen Vorhaben, den ausgewählten Werken eigene Gemälde gegenüberzustellen, wieder abgewichen.

Im legendären Chaos seines Ateliers hatte der in Dublin geborene Künstler, der vor allem in London gelebt hat und 1992 in Madrid an einer Herzattacke gestorben ist, Unmengen an Material zusammengetragen, das ihm als Inspirationsquelle diente. Dieses Material ist seit 1998 im Besitz der Hugh Lane Municipal Gallery of Modern Art in Dublin, wo Bacons Atelier nach seinem Tod wieder aufgebaut wurde. Dieser reiche Fundus wird an ausgewählten Beispielen präsentiert. Filme von Eisenstein und Bunuel stricken das Beziehungsnetz weiter: Auch Szenen und Standfotos aus "Panzerkreuzer Potemkin" und "Der andalusische Hund" hat Bacon in manchen Bildern verarbeitet. (APA)

Service

"Francis Bacon und die Bildtradition", Kunsthistorisches Museum, 15.10. bis 18.1.2004, Di-So 10-18 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr

Vorträge im Medienraum:

25.10., 11 Uhr
Barbara Steffen: "Bildtradition und Zufall bei Francis Bacon" (deutsch)

15.11., 11 Uhr
Margarita Cappock: "Organized Chaos - Francis Bacon`s Studio in 7, Reece Mews" (englisch)

Link

khm.at/bacon

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ausschnitt aus der 'Study after Velàzquez's Portrait of Pope Innocent X' aus dem Jahr 1953

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