WAZ im Konflikt um "Versachlichung" bemüht

21. Oktober 2003, 18:16
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Bei Gesellschafterwechsel würde es um 500 Millionen Euro gehen - Entscheidung des Schiedsgerichts "Anfang nächsten Jahres realistisch"

Wien - Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), ist im Konflikt um die "Kronen Zeitung" betont um "Versachlichung" bemüht. "Diese Versachlichung wird durch das Schiedsgericht geleistet", sagt er am Rande der Österreichischen Medientage im Gespräch mit der APA. Etwas unwirsch wird er dennoch, fragt man ihn nach einem Kommentar zu Michael Dichand, der in einem Interview unlängst mit dem WAZ-Hälfteanteil an der "Krone" liebäugelte.

"Wir haben nichts auf dem Tisch, das auch nur im Ansatz einem Angebot ähnelt"

"Es macht wenig Sinn, Äußerungen dieses Herrn zu kommentieren, weil man sich damit selbst herabsetzen würde. Gäbe es nur ein Funken Ernsthaftigkeit, würde so ein Angebot, bei dem es ja immerhin um 500 Millionen Euro gehen soll, abgegeben werden, wie es üblich ist. Nämlich auf eine seriöse Weise und nicht in einem Interview. Wir haben nichts auf dem Tisch, das auch nur im Ansatz einem Angebot ähnelt. Ich erwarte das übrigens auch gar nicht, wie ich diese Persönlichkeit einschätze."

"Wir haben Hans Dichand nicht verdrängt"

Im Kampf zwischen den "Kronen Zeitung"-Eigentümern WAZ und Hans Dichand gehe es primär "darum, wie die Führungsfrage in Zukunft geklärt wird", betont Hombach. "Wir haben Hans Dichand nicht verdrängt. Er hat sich selbst entschieden, vom Amt des Chefredakteurs zurückzutreten, und hat damit die Führungsfrage ausgelöst. Nur das ist der Punkt." Andere Konfliktpunkte, "sind Randthemen und zum Teil Alltagsthemen, die ich mit jedem anderen Titel auch habe. Das ist doch kein Streit. Dass wird jetzt alles zu einem Gebräu oder gar zu einem Nationalkonflikt. Das ist für mich alles absurd und alles schädlich."

Eine Entscheidung des Schweizer Schiedsgerichts, vor dem man die Abberufung Hans Dichands als Hauptgeschäftsführer durchsetzen will, könne nach Ansicht der befassten Anwälte "Anfang nächsten Jahres realistisch sein". Berufung wäre übrigens keine möglich: "Die Entscheidung des Gerichts muss man akzeptieren. Das Schiedsgericht ist bindend, das ist klare Rechts- und Vertragslage. Es kann durchaus sein, dass noch andere Gerichtswege eingeschlagen werden, das ist aber zur Zeit noch nicht absehbar."

Über die mögliche Neubesetzung der "Krone"-Geschäftsführung wolle er "nicht spekulieren", betont Hombach. "Das einzige, was ich jetzt schon fest sagen kann, ist, dass wir unsere Personalentscheidungen für Österreich und aus dem begabten Österreich treffen."

Sparen und Qualität steigern

Verlegerische Herausforderungen sieht Hombach vor allem im Kampf um die junge Leserschaft sowie in der Frage, "wie wir sparen können und gleichzeitig die Qualität des Produktes steigern". Die Ergebnisrückgänge der "Kronen Zeitung" sind für Hombach Thema, aber "ein Ertragsrückgang ist nicht genug Stoff für einen Konflikt dieser Art. Ich warne davor, zu glauben, dass es einen unübersichtlichen Wust von verbissenen Themen gibt. Ich verweise immer auf den Kern." Ähnlich geht es uns doch auch im deutschen Radiobereich: Da haben wir uns mit über 16 Sendern darüber unterhalten, dass die Erträge in die roten Zahlen gerutscht sind." Allerdings: Mit wem unterhält man sich derzeit bei der "Krone" darüber? Hombachs Replik: "Ja, das ist ein Problem." (APA)

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    Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe.

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