Römerquelle/ Coca-Cola-Deal beim Kartellgericht

12. Oktober 2003, 21:08
posten

Coca-Cola Österreich hat Totalübernahme angemeldet

Wien - Der Mitte Juli paktierte Verkauf des österreichischen Mineralwasser-Abfüllers Römerquelle an den Getränkemulti Coca-Cola liegt jetzt bei den Kartellbehörden in Wien. Die Coca-Cola Beverages Austria GmbH hat den Erwerb sämtlicher Geschäftsanteile der bisherigen Eigentümerfamilien an der Römerquelle GesmbH beim Oberlandesgericht Wien (Kartellgericht) angemeldet, wie im Amtsblatt der Wiener Zeitung von Donnerstag verlautbart wurde.

Römerquelle war jahrzehntelang unangefochtener Marktführer im heimischen Mineralwassermarkt, erst im Jahr 2000 ist der frühere Platzhirsch auf Rang zwei hinter Vöslauer zurück gefallen - unter anderem wegen der verspäteten Entscheidung, Wasser auch in Plastikflaschen anzubieten. Zum Unternehmen gehören die Marken "Römerquelle" und "Markusquelle" sowie die beiden burgenländischen Quellen und Produktionseinrichtungen in Edelstal und Pöttsching.

Coca-Cola kauft Gesellschaftsanteile

Im Jahr 2002 setzte Römerquelle mit rund 150 Beschäftigten 42,9 Mio. Euro um. Die Tochter Markusquelle kam mit zuletzt 18 Mitarbeitern auf 3,65 Mio. Euro Umsatz.

Die Gesellschaftsanteile an der Römerquelle werden unmittelbar von Coca-Cola Beverages Austria gekauft. Die österreichische Coke-Firma gehört über eine zwischengeschaltete niederländische Holding zur Coca-Cola Hellenic Bottling Company (HBC) mit Sitz in Athen, für den US-Softdrinkkonzern mit Sitz in Atlanta (Georgia) heute der drittgrößte Abfüller der Welt. HBC notiert als eigenständige Gesellschaft an der Börse, die amerikanische Coca Cola Company ist minderheitlich beteiligt.

Kaufpreis unbekannt

Über den Kaufpreis wurde striktes Stillschweigen vereinbart. Kolportiert wurden zuletzt bis zu 70 Mio. Euro, die die bisherigen Römerquelle-Eigentümer - wie die Schweizer Familie Zivy (primär über den Futtermittelhändler Prochaska & Cie) sowie vier österreichische Familien über die DAKS Vermögensverwaltung - für den Abfüller lukrieren sollen.

Römerquelle und Coca-Cola verband bisher bereits seit zwei Jahrzehnten eine Kooperation. Die Coca-Cola Hellenic Bottling hat anlässlich der Unterzeichnung der Vereinbarung im Juli - als man sich vorbehaltlich des Grünen Lichts der Wettbewerbswächter bereits die Anteile der früheren Eigentümer vertraglich sicherte - erklärt, mit der Übernahme unterstreiche man einmal mehr die Bedeutung des österreichischen Standorts für den Konzern.

Großes Potenzial für Römerquelle

Römerquelle und Markusquelle wird von den weltweit tätigen Softdrink-Abfüllern großes Potenzial im schnell wachsenden Markt für Wasser und Wellnessdrinks zugeschrieben. Der österreichische Mineralwasserbetrieb soll besonders in Osteuropa vom Verkaufsapparat des US-Getränkemultis profitieren.

Der Deal musste nach Angaben einer Coca Cola-Sprecherin nur in Österreich zur kartellgerechtlichen Genehmigung angemeldet werden. Die Anmeldung beim Oberlandesgericht ist mit 7. Oktober protokolliert. Mitbewerber und Unternehmen, deren wirtschaftliche Interessen durch den Zusammenschluss berührt werden, können sich ab der heutigen Bekanntmachung 14 Tage lang gegenüber dem Kartellgericht schriftlich äußern.

Römerquelle bleibe als eigenständige Gesellschaft und Marke erhalten, auch die Geschäfte würden unverändert vom langjährigen Geschäftsführer Anton Wandl geführt, hieß es heute bei Coca-Cola Beverages Austria zur APA.(APA)

Link

Share if you care.