Stromregulator verordnet billigeren Saft

12. Oktober 2003, 19:42
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E-Control senkt Tarif ab 1. November - Angesichts höherer Energiepreise kommt die Verbilligung beim Kunden nicht wirklich an

Wien - Die E-Control-Kommission (EKC) hat am Donnerstag im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" die neue Verordnung für die Netztarife bei Strom veröffentlicht. Damit sinken ab 1. November die Tarife für die Nutzung der Stromleitungen im Österreichschnitt um 4,2 Prozent für Haushaltskunden und für etwa 2,4 Prozent für Industriekunden. Der Anteil der Netztarife am Endkundenpreis macht etwa 40 bis 60 Prozent aus, sodass die verordnete Senkung bei den Stromverbrauchern schon rein rechnerisch nur zur Hälfte ankommen dürfte. Etliche Versorger haben in den vergangenen Wochen zudem eine Erhöhung der reinen Energiepreise angekündigt oder schon durchgeführt.

Kompensation

"Bei einigen Unternehmen wird die Netztarifsenkung durch die angekündigte Erhöhung der Strompreise wohl kompensiert werden", sagte Johannes Mayer, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der E-Control, am Donnerstag zur APA. Es sei "wohl kein Zufall, dass das jetzt stattfindet". Andererseits seien die internationalen Großhandelspreise zuletzt stark gestiegen, was sich bereits in der Industrie, aber noch nicht für die Haushaltskunden bemerkbar gemacht habe. Eingreifen werde der Stromregulator nur dann, "wenn die Preisteigerungen auf eine Weise und in einem Ausmaß passieren, die uns zeigen, dass der Wettbewerb nicht funktioniert. Aber dafür gibt es derzeit keine Anhaltspunkte."

Die gegen den Widerstand der Energiewirtschaft von der EKC angeordnete angeordnete Netztarifsenkung ab 1. November fällt je nach Bundesland und Netzebene unterschiedlich aus: Die stärksten Senkungen des Netztarifes wird es für den "klassischen Haushalt" (bis 3.500 Kilowattstunden) in Graz (-9,9 Prozent), in Klagenfurt (-6,4 Prozent) sowie im Burgenland (-6,2 Prozent) geben. Das Burgenland hat bei dieser Konsumentengruppe zusammen mit der Steiermark aber auch ab 1.11.2003 noch immer die höchsten Netztarife.

Gewerbekunden profitieren

Typische Gewerbe-Kunden können im Österreich-Schnitt mit einem Minus von 4,3 Prozent rechnen. Die stärkste Absenkung findet in Oberösterreich (-7,2 Prozent) sowie erneut im Burgenland (-6,6 Prozent) und in Klagenfurt (- 6,5 Prozent) statt. Stromverbraucher aus der Industrie auf der so genannten Netzebene 3 werden durchschnittlich 2,5 Prozent weniger für die Netztarife zahlen. Die stärkste Senkung findet auch hier im Burgenland statt (-10,8 Prozent), vor Salzburg und Niederösterreich (jeweils etwa -5,7 Prozent). (APA)

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