Zahnimplantat in einer Stunde

15. Oktober 2003, 12:39
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Rückbildung der Kieferknochen als eines der größten Probleme - Tagung in Wien

Wien - In nur einer Stunde einen Zahnersatz implantieren - diese Vision der Patienten ist schon Wirklichkeit geworden. Im Rahmen der weltweit größten Tagung der Zahn-Implantologen von der European Association for Osseointegration (EAO), die derzeit in Wien stattfindet, berichteten Experten auf einer Pressekonferenz von den neuesten Errungenschaften auf diesem Gebiet. Parallel dazu findet ein OP-Training für die Mediziner statt.

"Implantate sind mittlerweile so verlässlich wie Kronen und Brücken", sagte der Organisator des Kongresses, Univ.-Prof. DDr. Georg Watzek, Leiter der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wien. Drei Prozent der Österreicher haben sich bereits für den festsitzenden Zahnersatz entschieden, der Markt wächst ständig.

Probleme

Eines der größten Probleme bei einem Implantat ist die Rückbildung der Kieferknochen, so der Direktor der Universitätsklinik für Mund-, Zahn-, und Gesichtschirurgie in Erlangen, Univ.-Prof. Friedrich Neukam. Besonders im ersten Jahr nach dem Verlust eines Zahnes gebe es einen starken Schwund, der oft eine sichere Verankerung des Ersatzes unmöglich macht. Beim künstlichen Aufbau der Kieferbasis werden neben körpereigenen Knochensplittern verstärkt Proteinsubstanzen eingesetzt.

Neue biologische und technologische Fortschritte werden es künftig ermöglichen, die Behandlungszeiten bei Implantaten zu reduzieren, so Dr. Sascha Jovanovic von der UCLA-School of Dentistry, Center for Health Los Angeles. Herkömmliche Methoden mit Knochenaufbau benötigen bis zu sechs Monate Zeit, bis das Implantat belastet werden kann. Das System "Zahn in einer Stunde" könnte aber schon bald Realität werden.

Computerhilfe

Durch computerisierte Planung mit 3-D-Darstellungen können nicht nur die Implantate ganz exakt hergestellt werden. Neben Größe, Form und Länge des Zahnes lässt sich auch dessen Neigung im Voraus genau berechnen, so Jovanivic. Bis zum Einwachsen in den Kieferknochen ist durch dieses Verfahren von Anbeginn an ein sicherer Halt garantiert.

Weltweit nur acht Kliniken - darunter auch die Wiener Universitätszahnklinik - sind derzeit an Forschungsprogrammen zu diesem System beteiligt. Der Zeitaufwand ist laut Watzek noch enorm, die Kosten sind noch nicht kalkulierbar. Nur rund drei Stunden Arbeitszeit ist das angepeilte Ziel. In Frage kommen alle Patienten, bei denen sich der Kieferknochen noch nicht zu weit zurückgebildet hat. (APA)

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