Blutbad in deutscher Anwaltskanzlei: Verdächtiger wieder frei

10. Oktober 2003, 21:52
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Zwei Tage nach dem rätselhaften Mord, mit drei entstellten Leichen hat die Polizei noch keine Spur

Köln - Mit ihren Ermittlungen im Dreifach-Mord von Overath muss die Kölner Polizei wieder ganz von vorn beginnen. Wie die Kölner Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag mitteilte, konnte der Tatverdacht gegen einen 38-Jährigen bei dessen Vernehmungen nicht erhärtet werden. Der Mann wurde darauf hin wieder entlassen. Der Hintergrund des Verbrechens ist nach wie vor unbekannt. Auch die Tatwaffe ist noch nicht aufgetaucht.

Hinweise

Der 38-Jährige war am Mittwochabend auf Grund von Hinweisen aus der Bevölkerung festgenommen worden. Noch bevor über einen Haftbefehl entschieden werden sollte, wurde er jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Ob der Mann als Zeuge zur Aufklärung der Tat beitragen konnte, ließ die Polizei offen.

Tote nicht eindeutig identifiziert

Die Obduktion der drei Leichen war am Donnerstagnachmittag noch nicht abgeschlossen. "Die Untersuchungen laufen noch. Alle Opfer befinden sich nach wie vor in der Gerichtsmedizin", erklärte der Polizeisprecher. Obwohl die Identität der durch die Schussverletzungen schwer entstellten Opfer auch zwei Tage nach dem Verbrechen noch nicht zweifelsfrei feststeht, gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um den 61 Jahre alten Rechtsanwalt, seine 53 Jahre alte Ehefrau und die 26-jährige Tochter des Juristen handelt.

Das Verbrechen hatte sich am Dienstagnachmittag gegen 16.25 Uhr in der Anwaltskanzlei des 61-Jährigen im Zentrum der 26.000-Einwohner-Stadt Overath ereignet. Anwohner hatten Schüsse aus dem Rechtsanwaltsbüro gehört und die Polizei alarmiert.

Kleinstadtanwalt

Der Anwalt führte seine Anwaltskanzlei seit 1976 in der Kleinstadt. Seine Kanzlei, in der auch seine Ehefrau und seine Tochter tätig waren, bearbeitete vor allem Fälle im Familien- und Erbrecht. Darunter waren auch Ehescheidungen und Unterhaltsstreitigkeiten. Auch beim Sozialamt der Kleinstadt kannte man den Anwalt als Vertreter von Sozialhilfeempfängern, die Leistungen vom Staat einforderten. "Das war eine Kanzlei für kleine Leute", meinte am Donnerstag ein Nachbar der Mordopfer. (APA/AP)

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