Deutschland: Ein Hauch von Lichtblick

14. Oktober 2003, 11:25
4 Postings

Zahl der Arbeitslosen im September überraschend gesunken - Im Jahres-Vergleich legte die Zahl der Jobsuchenden dennoch zu

Nürnberg - Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im September leicht entspannt. Die Zahl der Arbeitslosen sank um 107.400 auf 4.206.800. Das sind aber noch 265.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosen-Quote sank um 0,3 Punkte auf 10,1 Prozent.

Bei der Vorlage der September-Zahlen sagte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, am Donnerstag in Nürnberg, die günstige Tendenz beruhe vor allem auf der Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik.

Herbstbelebung

Außerdem habe die Zahl der Arbeitslosen wegen der Herbstbelebung abgenommen. Der Rückgang sei in diesem Jahr stärker ausgefallen als nach dem Ende der Sommerferien üblich.

Grundsätzlich erwartet Gerster erst im Jahr 2005 einen deutlichen Rückgang der Zahl der Erwerbslosen. Erste Andeutungen für eine Belebung auf dem Arbeitsmarkt werde es aller Voraussicht nach im zweiten Halbjahr 2004 geben, sagte Gerster. Im bevorstehenden Winter erwarte er aber "deutlich weniger als fünf Mio. Arbeitslose".

"Kein Aufschwung"

Die CDU-Oppositionsführerin Angela Merkel kritisierte die aktuelle leichte Entspannung am deutschen Arbeitsmarkt als "kein Anzeichen für einen konjunkturellen Aufschwung". Am Rande eines Internationalen Bankenkongresses in Berlin sagte sie: "Also für den Arbeitsmarkt kann ich keinen guten Tag erkennen."

Insgesamt waren nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit Ende September in Westdeutschland 2.653.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 69.800 weniger als im August und 213.400 mehr als vor zwölf Monaten.

Leicht gesunken

Im Osten gab es 1.553.900 Arbeitslose, 37.600 weniger als im August, aber 51.600 mehr als im September 2002. Im Westen lag die Quote bei 8,1, Prozent, im Osten bei 17,8 Prozent.

Saison-bereinigt ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland leicht gesunken. Im Vergleich zum Vormonat nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 14.000 auf 4,392 Mio. ab. Im Westen sank sie um 11.000, im Osten um 3.000. Die Zahl der Lehrstellen in Deutschland sank in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 41.000 auf 547.000. Das entspricht einem Rückgang von 7,8 Prozent.

Zum gesetzlichen Bilanztag am 30. September waren nach Angaben der Bundesanstalt noch 35.000 Jugendliche unversorgt. Knapp 15.000 Lehrstellen sind noch nicht besetzt.

Das Defizit im Haushalt der Bundesanstalt für Arbeit (BA) ist bis Ende September auf sechs Mrd. Euro gewachsen. Dennoch halte die BA weiter an ihrer Prognose fest, dass das Defizit im laufenden Jahr im Bereich von 6,5 Mrd. bis 7,5 Mrd. Euro liegen werde, sagte Finanzvorstand Frank-Jürgen Weise am Donnerstag vor Journalisten in Nürnberg. Beobachter gehen hingegen von einem Defizit in der Größenordnung von rund acht Mrd Euro aus. Zu Jahresbeginn hatte die BA noch ohne Bundeszuschuss auskommen wollen.

Stagnation erwartet

Im kommenden Jahr erwartet die Bundesanstalt nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Florian Gerster jahresdurchschnittlich eine Stagnation der Arbeitslosenzahl. Gerster verwies in diesem Zusammenhang jedoch darauf, dass das erste Halbjahr "deutlich schlechter" ausfallen werde, während sich dann in der zweiten Jahreshälfte eine deutlich bessere Entwicklung einstellen werde.

Daneben müsse bedacht werden, dass der Arbeitsmarkt ein Spätindikator sei, dessen Verfassung der realwirtschaftlichen Entwicklung nachlaufe. Der operative BA-Vorstand Heinrich Alt fügte hinzu, bei einem normalem Witterungsverlauf sei im Winterhalbjahr nicht mit fünf Mio. Arbeitslosen zu rechnen. (APA/dpa/vwd)

  • Artikelbild
    montage: derstandard.at
Share if you care.