Wirtschaftsnobelpreis geht an zwei Statistiker für Zeitreihen

8. Oktober 2003, 20:15
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US-Bürger und Brite, beide an US-Unis, werden ausgezeichnet

Stockholm - Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft - genau genommen: der von der "Schwedischen Reichsbank in Erinnerung an Alfred Nobel gestiftete Preis für Wirtschaftswissenschaften" - geht an Robert Engle von der New York University, USA, und den Briten Clive Granger, der der University of California in San Diego leht. Das teilte die schwedische Wissenschaftsakademie am Mittwoch mit. Der Amerikaner Engle (60) und der Brite Granger (69)werden für ihre Anwendung statistischer Methoden bei ökonomischen Zeitreihen geehrt.

Wirtschaftswissenschaftler verwenden zur Abschätzung von Zusammenhängen und zur empirischen Überprüfung von Hypothesen aus wirtschaftswissenschaftlichen Theorien so genannte Zeitreihen. Zeitreihen sind chronologische Reihenfolgen von Daten, die die Entwicklung von z.B. Bruttoinlandsprodukt (BIP), Preisen, Zinssätzen oder Aktienkursen zeigen.

Die diesjährigen Preisträger entwickelten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts neue statistische Methoden zum besseren Umgang mit zwei zentralen Eigenschaften vieler Zeitreihen: "zeitlich veränderliche Volatilität und Nichtstationarität".

Auf Finanzmärkten haben zufällige Schwankungen über die Zeit - Volatilität - große Bedeutung, weil der Wert von Aktien, Optionen und anderen Wertpapieren auf diesem Risiko beruht. Die Schwankungen können im Lauf der Zeit stark variieren - ruhige Perioden mit kleinen Schwankungen lösen turbulentere Perioden mit größeren Fluktuationen ab.

Obwohl sich also die Volatilität über die Zeit verändert, arbeiteten die Wirtschaftswissenschaftler wegen des Fehlens einer Alternative lange mit statistischen Methoden, die konstante Volatilität voraussetzen. Deshalb wurde die von Robert Engle gemachte Entdeckung ein großer Durchbruch. Er entwickelte Methoden, die es ermöglichen, zeitlich variierende Volatilität zu modellieren und "nicht-stationäre Zeitreihen" abbilden.

Clive Granger zeigte früh, daß statistische Methoden für stationäre Zeitreihen bei nicht-stationären Daten völlig fehlleitende Schlussfolgerungen ergeben können. Seine Methoden sind besonders wichtig in Systemen, in denen die kurzfristige Dynamik von großen unsystematischen Störungen beeinflusst wird, während gleichzeitig die langfristigen Variationen durch ökonomische Gleichgewichtsbeziehungen beschränkt werden. Beispiele dafür sind der Zusammenhang zwischen Vermögen und Konsum oder Wechselkursen und Preisniveau. (spu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 10. 2003)

  • Robert Engle
    foto: epa/nyu

    Robert Engle

  • Clive Granger
    foto: standard

    Clive Granger

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