Wien-Mitte-Stück: Bautheater währt seit gut 15 Jahren

23. Oktober 2003, 09:29
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Der als Bahnhofsüberbauung konzipierte Shopping-Büro-Hotelkomplex wurde in rosigeren Wirtschaftszeiten konzipiert

Wien - Die Geschichte von Wien-Mitte hat schon vor gut fünfzehn Jahren begonnen. Das Projekt der Architektengruppe Neumann&Steiner, Lintl&Lintl, Ortner&Ortner ist einige Male überarbeitet worden, immer waren die Dimensionen des Baus in Wien-Landstraße im Gespräch. In einem Zehnpunkteprogramm hat man 1992 eine "strikte Begrenzung der Höhenentwicklung" auf 65 Meter (Bezugspunkt war immer das in der Nähe gelegene Hotel Hilton) festgehalten.

Projekt ist an der Höhe gescheitert

Letztlich ist das Projekt eben an der Höhe gescheitert. Der als Bahnhofsüberbauung konzipierte Shopping-Büro-Hotelkomplex sollte rentabel werden, in den mit bis zu 97 Meter hohen Türmen viel potenzielle Nutzungsfläche geschaffen wurde. Das brachte Denkmalschützer, Welterbebeauftragte und Parteien auf den Plan, die das Kulturgut in der Inneren Stadt gefährdet sahen. Die Stimmung kippte endgültig, als Betreiber, die Bauträger Austria Immobilien und auch die Stadt Wien versuchten, das Projekt gegen Widerstände durchzuziehen. Die Unesco, respektive Icomos als ihr Beirat in Sachen Welterbe, drohten, das Welterbeprädikat zurückzuziehen.

Turmbau in rosigeren Wirtschaftszeiten konzipiert

Dazu kam, dass der Turmbau auf Basis der Daten rosigerer Wirtschaftszeiten konzipiert worden war. Zum Schluss war klar, dass das Projekt - auch wegen hoher Pachtwünsche der ÖBB für ihr Grundstück - nicht rentabel sein würde. Die ÖBB wollen weiterhin für das Grundstück eine angemessene Pacht.

Nur einer der vier Türme wurde realisiert: jener etwas abseits stehende, in den das Justizministerium mit Handelsgericht und Bezirksgericht Innere Stadt übersiedelte. Die Immofinanz hat ihn im Schatten der Wien-Mitte-Debatte nahezu unbeachtet hochgezogen - heute regt sich niemand mehr über den allein stehenden Turm in der Stadtsilhouette auf. (aw, DER STANDARD Printausgabe 9.10.2003)

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