Deutsche Mautprobleme unterschätzt

12. Oktober 2003, 19:41
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Eingeständnis von Betreiberfirma Mangold - Autostrada würde einspringen

Nicht nur der Betreiber des Schweizer Mautsystems, sondern auch die österreichische Europpass beziehungsweise die italienische Muttergesellschaft Autostrade wären bereit, in Deutschland in die Bresche zu springen. Denn dort ist noch immer unklar, wann die Lkw-Maut erhoben werden kann. "Wir können das nicht als österreichische Gesellschaft machen. Aber unsere Muttergesellschaft, die italienische Autostrada, wäre bereit dazu. Wir haben uns das schon überlegt", sagte Europpass-Geschäftsführer Peter Newole zum STANDARD.

Der Bund könne den Vertrag mit dem deutschen Betreiberkonsortium Toll Collect "jederzeit lösen", bestätigte der Chef der DaimlerChrysler Services, Klaus Mangold, dessen Firma wie die Deutsche Telekom zu Toll Collect gehört. "Wenn das Verkehrsministerium und das Bundesamt für Güterverkehr glauben, dass jemand es schneller kann, sollen sie kündigen."

Mangold hat sich verschätzt

Mangold räumte ein, sich bei der Dauer der technischen Entwicklung verschätzt zu haben. "Der Zeitraum war sicherlich zu knapp bemessen." Das deutsche System läuft über modernste Satellitenortungstechnik, während dem auf Mikrowelle basierenden österreichischen System immer vorgeworfen wurde, veraltet zu sein. Die Mikrowellentechnik wird auch in der Schweiz, in Frankreich und Italien praktiziert.

Mangold wollte auch keine Prognose abgeben, wann das deutsche System einsatzfähig sein wird. Er verwies auf das Bundesamt für Güterverkehr, während das Verkehrsministerium Toll Collect in der Pflicht sieht, einen neuen Starttermin zu nennen, nachdem nun zum zweiten Mal der Termin wegen technischer Schwierigkeiten nicht eingehalten werden kann. Ostern 2004 gilt als neue Zielmarge.

160 Millionen Verlust pro Monat

Jedes Monat entgehen dem Bund aber Mauteinnahmen von rund 160 Millionen Euro. Das Ministerium will nun über "Anpassungen" beim Mautvertrag verhandeln. Der DaimlerChrysler-Services-Chef wies die Darstellung des Ministeriums zurück, dabei gehe es um Fragen zu Haftung oder Vertragsstrafen. Die an Toll Collect beteiligten Firmen pochen auf eine Vereinbarung, wonach erst eine Strafe von 250.000 Euro täglich fällig wird vier Monate nach dem ursprünglich geplanten Starttermin am 31. August. Dies wäre erst ab 31. Jänner 2004 der Fall. Der Deutsche Industrie- und Handelstag geht dagegen auch davon aus, dass die Firmen Schadenersatz leisten müssten. (DER STANDARD Printausgabe, 9.10.2003)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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