Streit um "bunten" Kindergarten in Graz

9. Oktober 2003, 18:57
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Interkulturelles Projekt steht vor der Schließung weil 30.000 Euro fehlen

Graz - Es geht zwar - verglichen mit dem Gesamtbudget der Stadt - um nur 30.000 Euro, als politisches Kleingeld taugt der Betrag aber offenbar allemal. Der einzige, seit zwölf Jahren bestehende, interkulturelle Kindergarten der steirischen Landeshauptstadt Graz muss demnächst geschlossen werden. Weil 30.000 Euro fehlen. Private Sponsoren und "Licht ins Dunkel"-Gelder sind heuer ausgeblieben. Der Ball wird jetzt zwischen SPÖ und ÖVP hin- und hergeschickt, niemand will für den Weiterbestand geradestehen.

52 Kinder betroffen

Betroffen sind 52 Kinder und deren Eltern aus rund zehn Nationen. "Wir mussten sogar 42 Familien abweisen, der Andrang ist enorm", sagt Kindergarten-Obfrau Brigitta Friedrich. Betroffen sind aber auch acht internationale Kinderbetreuer. Die Hälfte der Kinder sind Österreicher, deren Eltern Wert auf ein Heranwachsen ihrer Kinder in einer multikulturellen und naturverbundenen Umgebung legen. Zahlreiche traumatisierte Flüchtlingskinder aus dem Jugoslawienkrieg wurden hier während der vergangenen zwölf Jahre betreut.

Mietkosten

Seit Juni bemühe sich nun das Kindergartenteam bei Bürgermeister Siegfried Nagl wegen der misslichen finanziellen Situation um einen Termin. Vergeblich. Friedrich im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir hatten gehofft, dass wir aus dem Budget für interkulturelle Angelegenheiten des Bürgermeisters unterstützt würden und er die Mietkosten übernehmen könnte." Vergeblich. Dieser Tage habe sie eine Absage aus dem Nagl-Büro erhalten. Brigitta Friedrich: "Es sei kein Geld vorhanden, hat es geheißen."

Auf Landesebene hat jetzt SP-Soziallandesrat Kurt Flecker Hilfe zugesagt. Aber nur, wenn Bürgermeister Siegfrid Nagl (VP) auch zahlt.

Mittwochabend kamen die betroffenen Eltern, Kinder und Betreuer des "Interkulturellen mehrsprachigen Kindergartens" zu einer Krisensitzung zusammen. (mue, DER STANDARD Printausgabe 9.10.2003)

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