Musterung: Für viele die erste umfassende Untersuchung

11. Oktober 2003, 11:30
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... und rund ein Drittel von Österreichs Jungmännern besteht sie nicht - neue Intelligenztests mustern mehr aus

Wien - Die Stellungsuntersuchung (Musterung) ist für praktisch alle 18-jährigen Männer der erste umfassende medizinische Check ihres Lebens. Rund ein Drittel ist auf Anhieb nicht voll tauglich, die Zahlen sind leicht steigend, hieß es diese Woche. Der Anstieg der Untauglichen wegen Intelligenzmangels oder Lernschwäche ist laut dem ärztlichen Leiter der Stellungskommission Wien, Obst. Dr. Fritz Madera aber auf geänderte Test und nicht auf ein Verdummen der Jugendlichen zurück zu führen.

Seit 25 Jahren müssen alle Wehrpflichtigen eine der sechs Diagnosestraßen des Bundesheeres in Österreich durchlaufen, so der für das Gesundheitswesen zuständige Brigadier Dr. Wolfgang Gerl. Rund 40.000 Jugendliche müssen jährlich den umfassenden Check absolvieren.

"Beitrag zur Volksgesundheit"

"Wir leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Volksgesundheit", so Gerl. Die insgesamt mehrere hundert Euro teuren Untersuchungen umfassen Blut- und Harnuntersuchungen, ein Thorax-Röntgen, EKG und Seh- sowie Hörtests. Die Ergebnisse bespricht ein Arzt ausführlich mit den Stellungspflichtigen.

Diese umfassende Erhebung des Gesundheitszustands kann nicht nur von Universitäten und Firmen als Basis für den Gesundheitsstand der Jugendlichen verwendet werden. Durch eine enge Verbindung etwa mit dem Gesundheits- und dem Unterrichtsministerium könne laut Gerl auffälligen Veränderungen an den 18-Jährigen entgegen gesteuert werden.

Für den einzelnen Stellungspflichtigen bedeutet diese Gesunden-Untersuchung oft auch die Erstdiagnose von Krankheiten, sagte Madera. Neben Diabetes wird offene TBC ebenso entdeckt wie schwere Herzrhythmusstörungen, ein Pneumothorax und sogar Tumore.

Neue Tests, neue Ergebnisse

Während die Zahl der Untauglichen sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hat, wird die Gruppe der eingeschränkt Tauglichen ständig größer. "Das ist noch nicht alarmierend, aber doch auffällig", so Gerl. Einige Erkrankungen wie etwa Epilepsie seien zwar seit Jahren auf Gleichbleibendem Niveau, die Fettleibigkeit z.B. werde aber immer häufiger.

Für den Anstieg der Untauglichen wegen Intelligenzmangels oder Lernschwäche zwischen 1998 und 2002 von etwa 0,6 auf rund 1,2 Prozent hat Madera eine einfache Erklärung. In dieser Zeit wurde der Intelligenztest vom Ankreuzen mit Bleistift auf ein Computersystem umgestellt. Erstaunlicherweise hätte gerade die "PC-Generation" Schwierigkeiten mit dem Handling des Programmes. (APA)

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