Fenstersturz bei Polizeieinsatz wird untersucht

9. Oktober 2003, 20:12
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Für Polizei war Suizidversuch in Wien "nicht vorhersehbar" - Frau liegt auf der Intensivstation

Wien - Der Fall jener Frau, die während eines Polizeieinsatzes im Wiener Gemeindebezirk Meidling aus dem Fenster ihrer Wohnung gesprungen ist, wird nun polizeiintern untersucht. Die Frau liegt nach ihrem Suizidversuch weiter auf der Intensivstation.

Wie berichtet, ereignete sich die Tragödie am Dienstagvormittag im Zuge einer Besichtigung der zur Zwangsversteigerung ausgeschriebenen Immobilie. Der Wohnungsbesitzer weigerte sich zu öffnen, der Gerichtsvollzieher rief daraufhin die Polizei, schildert Dieter Bannert, Leiter des Bezirksgerichtes Meidling.

Auseinandersetzung

Als die Beamten eintrafen, kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der der Mann nach Polizeidarstellung auch handgreiflich geworden sein soll. Er wurde verhaftet, als die Frau sich plötzlich in Gegenwart der rund zehn Beamten aus dem dritten Stock in den Hof stürzte.

Der mittlerweile wieder freigelassene Mann der Verunglückten wollte am Mittwoch aus verständlichen Gründen keine Stellungnahme abgeben. "Ich habe nur den Wunsch, dass meine Frau überlebt. Die Darstellung der Polizei über den Vorfall ist sicher richtig", meinte er.

Sprung war nicht vorhersehbar

Für die Exekutive betonte Meidlings Stadthauptmann Gebhard Göttlicher, dass der Sprung aus dem Fenster nicht vorhersehbar gewesen wäre. "Nach meinem ersten Eindruck konnte niemand damit rechnen. Die Frau war zwar erregt, das kommt bei solchen Einsätzen aber öfter vor."

Nach Vorwürfen eines Zeugen, der Fenstersturz hätte verhindert werden können, laufen nun aber Untersuchungen. Zum Umstand, dass kein Arzt gerufen wurde, um sich um die aufgeregte Frau zu kümmern, meint Göttlicher selbstkritisch: "Vielleicht muss man bei künftigen Einsätzen besser darauf achten." Die für Mittwoch geplante Wohnungsversteigerung wurde übrigens abgesagt. (moe, DER STANDARD Printausgabe 9.10.2003)

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