Herbst-Offensive eines Jubilars

13. Oktober 2003, 20:23
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Das Wiener Auktionshaus "im Kinsky" feiert zehnjähriges Bestehen - auch mit einer hochwertigen "Jubiläumsauktion"

Das von einem Händlerkonsortium geführte Privatunternehmen der "Wiener Kunst Auktionen", seit 1999 "im Kinsky", feiert diesen Herbst sein zehnjähriges Bestehen - am 28. Oktober auch mit einer rund 300 Lose starken, qualitativ hochwertigen "Jubiläumsauktion".


Wien - 90 Millionen Euro Gesamtumsatz, das lässt sich Otto Hans Ressler auf der Zunge zergehen. Diese Summe setzte das private Auktionshaus Wiener Kunst Auktionen im Laufe seines zehnjährigen Bestehens um. Damals bestand das Unternehmen, welches sich seit rund einem Jahr nebst neuem Logo das "im Kinsky" dazuverpasste, aus den Gesellschaftern Ressler, dem Rechtsanwalt und Sammler Ernst Ploil sowie den Händlern Michael Kovacek und Christian Scheed, Letzterer konzentriert sich seit einigen Jahren nur mehr auf sein Antik-Uhrengeschäft D & S (derzeit Herbstausstellung).

1996 stieß Georg Kargl als Gesellschafter dazu, welcher im Bereich zeitgenössische Kunst internationale Qualität integrierte - die vom heimischen Publikum nicht immer honoriert wurde. Die Agenden von Giese & Schweiger, welche die Gemälde des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne überhatten, übernahm seit einem halben Jahr der Wiener Glas-und Gemäldehändler Michael Kovacek.

1999 übersiedelte das Unternehmen von den Ringstraßen-Galerien ins geradezu fürstlich barocke Innenstadtpalais Kinsky. Wie immer man Marktführerschaft genau definiert - auf jeden Fall reklamiert Ressler diese für Österreich in den Bereichen Jugendstil, zeitgenössische Kunst und Glas. Er misst dies an den höchsten Verkäufen, die in dem jeweiligen Bereich jährlich zustande gekommen sind. Allen voran Schieles Mädchen, welches 1998 für 3,56 Millionen Schilling ins Museum Leopold ging.

Dennoch: Konkurrenz belebt. "Der Auktionsmarkt ist in Österreich generell gewachsen", konstatiert der ehemalige Dorotheum-Mann Ressler auf der Pressekonferenz anlässlich der "Jubiläumsauktion", die am 28. Oktober abgehalten wird. Die beiden vergangenen Jahre habe man die Rezession zu spüren bekommen, doch die Geschichte zeige, dass es immer wieder auch aufwärts gehe. Künftig reduziert man die Auktionen im Kinsky auf zwei Spitzentermine sowie zwei weniger hochkarätige Veranstaltungen. Aggressive Werbesprüche, die für Unruhe bei manchen Kunsthändlern geführt hatten, seien im Sinne der Werbung sicher eine "Gratwanderung" und zu 90 Prozent wahr, konstatiert Ernst Ploil - "wer es ernst nimmt, dem können wir nicht helfen". Im Vergleich zu Händlerspannen sind Auktionshausprämien eben "erdnussgroß", so Ploil.

6500 Kataloge der Jubiläumsauktion, 2000 mehr als üblich, gehen an Sammler und Institutionen in aller Welt. Internationale Stars der Veranstaltung sind diesmal ein spätes Stillleben von Juan Gris (380.000-550.000€) sowie ein Männerporträt des niederländischen Malerstars Frans Hals, welches sicher über den niedrig angesetzten Preis von 150.000 und 250.000 Euro klettern wird. Der von Ploil betreute Jugendstil, ein in der Tat starkes Segment im Kinsky, wird in einer eigenen Auktion am 27. November angeboten werden.

Bei der klassischen Moderne setzt man in Anton Koligs Frauenfigur "Flora" (250.000 bis 450.000 €) hohe Erwartungen - seine Begrüßung hatte 2000 den höchsten österreichischen Preis für ein Gemälde mit 354.643 Euro erzielt. "Ein sommerlicher Walde", in einer Zeitschrift von einem Konkurrenten inseriert, wird indes im Kinsky versteigert werden. Drei gute Bilder Carl Molls werden Interesse wecken - der Maler war im Kinsky immer gut vertreten wie beboten gewesen - wie ein Schiele-Frauentorso.

Das Mini-Landschaftsbild Schieles kennt man von einer Auktion 1998 im Dorotheum. Ganz stark da ist man bei den österreichischen Klassikern der 60er- und 70er-Jahre, und zwar mit Frühwerken ("Wirklichkeiten-Künstler" u. a.). Sogar ein untypisch-abstraktes Rainer-Bild aus den 50er-Jahren taucht auf (45.000-80.000€). Günstig geschätzt sind Frühwerke von 80er-Malerstars, allen voran Anzinger, aber auch Mosbacher und Schmalix. Ein großformatiges, schwarz-weißes Brandl-Hochformat bietet sich für wohlfeile 6000 bis 14.000 Euro an.

Welches Ziel steht nach diesen zehn Jahren vor Augen? Michael Kovacek dazu: dass jede Versteigerung solch ein Angebot habe wie die Jubiläumsauktion. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2003)

Von Doris Krumpl

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imkinsky.com

  • 1985 ist dieses Rundbild 
Andy Warhols in einem 
Restaurant entstanden. Das für Warhol untypisch gestische Werk wird auf 200.000 bis 400.000 Euro geschätzt.
    foto: katalog

    1985 ist dieses Rundbild Andy Warhols in einem Restaurant entstanden. Das für Warhol untypisch gestische Werk wird auf 200.000 bis 400.000 Euro geschätzt.

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