"Ich kann Fangio niemals erreichen"

12. Oktober 2003, 09:11
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Michael Schumacher vergleicht sich nicht mit dem großen Juan Manuel Fangio - Denn: "Früher stand der Mensch mehr im Vordergrund"

Suzuka - Vor elf Jahren hat der König der Rennfahrer dem jungen Michael Schumacher noch väterliche Tipps gegeben, am Sonntag beim Großen Preis von Japan in Suzuka (7.30 Uhr, ORF 1) kann der Deutsche den legendären Argentinier Juan Manuel Fangio als Rekordweltmeister aus den Formel-1-Annalen verdrängen. Doch selbst, wenn der 34-Jährige mit seinem sechsten WM-Titel Fangio überholt - für ihn persönlich wird "El Chueco" (der Krummbeinige) immer der Größte bleiben.

"Ich finde, was Fangio damals geleistet hat, kann ich niemals erreichen. Deshalb möchte ich mich auch nicht mit ihm vergleichen", sagt Schumacher, mit bis dato fünf WM-Titeln, 71 GP-Siegen und 1037 WM-Punkten der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Fangios Rekordmarken stammen aus einer ganz anderen Epoche. Zwischen 1951 und 1957 wurde der Argentinier fünfmal Weltmeister, davon viermal in Folge - was Schumacher am Sonntag auch schaffen kann.

Zu Lebzeiten eine Legende

"Damals war der Rennsport wesentlich gefährlicher, eine ganz andere Herausforderung. Früher stand der Mensch mehr im Vordergrund, heute ist es eine wesentlich größere Teamleistung", meint Schumacher, der vor zwei Jahren in Silverstone den Ferrari 375 F1 fuhr, mit dem Fangios Landsmann José Froilán Gonzáles 1951 in England den ersten Sieg für die Scuderia geholt hatte. "Wenn man mal selbst in so einem Wagen sitzt, kann man nur den Hut vor den Piloten ziehen, die früher damit Rennen gefahren sind, ohne Sicherheitsgurt oder andere Schutzmaßnahmen", erklärt Schumacher. Fangio, der am 17. Juli 1995 - acht Monate nach Schumachers erstem WM-Titel - im Alter von 84 Jahren an einem Nierenleiden starb, war schon zu Lebzeiten eine Legende. Das vierte von sechs Kindern italienischer Einwanderer, das erst im Alter von 25 Jahren in einem geliehenen Ford T das erste Rennen fuhr, versetzte 1950 nach Einführung der Formel-1-WM die Fachwelt in Staunen. Mit drei GP-Siegen in einem Alfa Romeo verfehlte er den Titel, den sein Markenkollege Giuseppe Farina (Italien) gewann, nur um drei Punkte. Im Jahr darauf bescherte er dem italienischen Rennstall den zweiten und bis heute letzten WM-Titel.

Legende und Mythos

Zum Mythos wurde Fangio mit vier WM-Triumphen in Serie zwischen 1954 und 1957. Dabei ließ er die Tradition der Mercedes-Silberpfeile aus den Dreißigerjahren wieder aufleben. Am 4. Juli 1954, dem Tag des WM-Triumphes der deutschen Fußballer in Bern, holte er den ersten Sieg einer deutschen Marke, 1954 und 1955 die WM-Krone.

Nach dem Rückzug der Stuttgarter ließ Fangio noch zwei weitere Titel mit Lancia und Ferrari 1956 sowie Maserati 1957 folgen. Auf dem Nürburgring feierte er 1957 seinen größten, aber auch den letzten von 27 GP-Erfolgen. Mit zehn schnellsten Runden in Serie auf der legendären Nordschleife verwandelte er 48 Sekunden Rückstand noch in einen Sieg. "An diesem Tag war ich inspiriert. Ich war vorher noch nie so gefahren und bin es nachher auch nicht mehr", sagte Fangio. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 9. Oktober 2003, sid, fri)

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Ferrari

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    Michael Schumacher auf PR-Tour in Tokio.

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