Ein Hauptdarsteller für die Politik

9. Oktober 2003, 17:59
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Meinungsforscher im STANDARD-Gespräch über "Promifaktor" im Wahlkampf und "virtuelle Authentizität"

Was hat Arnold Schwarzenegger, was die anderen Kandidaten für die Gouverneurswahl in Kalifornien nicht hatten? Vor allem und zuvorderst den "Promifaktor". Und der ist in einem kurzen Intensivwahlkampf die halbe Miete.

"Der Prominenzfaktor wird immer wichtiger im Wettbewerb um die verknappte Aufmerksamkeit", erklärt Meinungsforscher und Politikwissenschafter Fritz Plasser im STANDARD-Gespräch. Prominenz habe "einen Eigenwert, der vorab ein erhöhtes Interesse garantiert". Der "exotische und glamouröse" Kandidat Schwarzenegger habe aber auch von einem "zunehmenden Unbehagen und einer Sättigung an dem, was konventionelle Karrierepolitiker betrifft", profitiert.

"In einer Mediengesellschaft sind Projektion und Darstellung das Entscheidende", und einem Schauspieler werden von den Wählern aufgrund der Rollen, die mit ihm identifiziert werden, "noch größere Freiräume zugestanden". Plasser spricht von "virtueller Authentizität", die der Terminator-Darsteller im Wahlkampf vermitteln konnte: "Schwarzenegger konnte sich ansatzweise so benehmen wie in seinen Filmen, ohne dass es seltsam oder gekünstelt wirkte." Etwa mit einem Besen fuchtelnd ankündigen, aufräumen zu wollen oder in filmreifen "One-Liners", also Ein-Satz-Slogans, sprechen.

Peter Ulram, Meinungsforscher bei Fessel-GfK, sagt zum Promifaktor in der Politik: "In Medien- und Bildgesellschaften tut man sich leichter, positive Images zu basteln, die schon vorhanden sind." Allerdings unterscheide sich das amerikanische vom österreichischen System doch deutlich: "Profipolitiker spielen in den USA objektiv eine geringere Rolle und die Durchlässigkeit zwischen Politik und anderen Bereichen ist größer."

Ifes-Geschäftsführerin Imma Palme führt Schwarzeneggers Erfolg auch auf den "rapiden Rückgang des Ansehens von Politikern" zurück. "Ich bin nicht aus der Politik" sei ein beliebter Topos, der in den Wahlkämpfen bedient werde. Motto: Ich wäre der bessere Politiker, weil ich kein Politiker bin – zumindest bis jetzt.

"Es ist nur eine Zeitfrage, bis das auch in Österreich so ist", sagt Palme. Auch hier wird Politik immer mehr über Medien, vor allem das Fernsehen, vermittelt: "Das Fernsehen verlangt nach Hauptdarstellern." In dieser Rolle hat Neo- "Governator" Schwarzenegger unbestritten einige Erfahrung. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2003)

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    Politikwissenschafter Fritz Plasser: "Schwarzenegger konnte sich im Wahlkampf ansatzweise so benehmen wie in seinen Filmen, ohne dass es seltsam oder gekünstelt wirkte."

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