Was auf Schwarzenegger zukommt

20. Oktober 2003, 20:17
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Arnold hat es geschafft. Jetzt gibt es zwei Drehbücher für seine Zukunft - von Christoph Winder

Wenn sich der bärbeißige alte CNN-Reporter Walter Rodgers vom Grazer Hauptplatz meldet und die Weltöffentlichkeit schon in aller Herrgottsfrüh mit dem Anblick der schmucken Straßenbahngarnituren im Herzen der Grünen Mark verwöhnt wird, dann, ja dann muss in der Tat Außergewöhnliches passiert sein.

Und das ist es ja auch: Der 7. Oktober wird mit der Abwahl des glücklosen Gray Davis als historischer Termin in die Geschichte Kaliforniens eingehen - aber auch in die der austroamerikanischen Beziehungen. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen werden aufblühen, die Aufwallungen der österreichischen Politiker, die sich im Ruhm ihres kalifornischen Kollegen sonnen wollen, sind jetzt schon erheblich. Selbst mancher Bürgermeister in der hinteren Steiermark dürfte seinen Bizeps anschwellen fühlen, und die Arnie-Hysterie, die uns jetzt wochenlang aus den notorischen österreichischen Jubelmedien entgegenschlagen wird, wagt man sich ja kaum auszumalen.

Der Mann, der dies möglich gemacht hat, mag von Erscheinungsbild und Gebaren nicht eben als Sinnfigur feiner Geistigkeit durchgehen - aber an seinem Sieg gibt es nichts kleinzureden. Schwarzenegger hat diesen Wendepunkt seiner Karriere mit unglaublicher Energie, Zielstrebigkeit - und einem Quäntchen Glück - herbeigeführt. Dazu ist ihm neidlos zu gratulieren. Seinen Platz im Pantheon erfolgreichen Exilösterreichertums hat er sich - Heimat bist du großer Söhne! - redlich verdient.

Nach einem burlesken und weit gehend inhaltsleeren Wahlkampf kehrt nun freilich der überaus schwierige politische Alltag im krisengebeutelten Kalifornien ein. Hier sind zwei ganz unterschiedliche Drehbücher denkbar, nach denen Arnies politische Zukunft ablaufen könnte.

Drehbuch eins: Der in der klugen Antrittsrede des Neo- gouverneurs beschworene Geist der Zusammenarbeit trägt wirklich Früchte. Es gelingt ihm, mit dem mehrheitlich demokratischen Abgeordnetenhaus in Sacramento einen Budgetpakt auszudealen, der zum Guten ausschlägt.

Kalifornien schafft einen spektakulären Turnaround und zieht als neu angesprungene Konjunkturlokomotive die gesamten USA in ökonomisch bessere Gefilde. Das kommt George Bush zugute und sichert ihm die Wiederwahl. Nachdem sich der steirische Wundermann derart für höhere Aufgaben empfohlen hat, wird der Druck nach einer Verfassungsänderung so stark, dass Arnie 2012 als Präsident ins Weiße Haus einziehen kann. Das Einzige, was dann noch fehlt, wäre eine öffentliche Himmelfahrt des größten Steirers aller Zeiten.

Drehbuch Nummer zwei ist weniger erfreulich: Schon bald nach der Wahl stellt sich heraus, dass Arnies sachpolitische Schweigsamkeit im Wahlkampf nicht von ungefähr kam und er wirklich jene Nullnummer ist, als die ihn seine Gegner darzustellen versuchten. Er gerät in einen zermürbenden budgetpolitischen Stellungskrieg mit seinen demokratischen Kontrahenten, mit Kalifornien geht es weiter bergab. Frustrierte Wähler, welche sich einen brachialen Umschwung erhofft hatten, wünschen ihn mit einem hämischen Hasta la vista zum Teufel.

Unter tatkräftiger Ermunterung der Demokraten beginnt eine Gruppe von Frauen, die dem Zugriff des sinnenfreudigen Steirers ausgesetzt war, das Thema sexuelle Belästigung hochzukochen. Schließlich schwappt das kalifornische Desaster auch noch auf Bundesebene über und beschädigt Parteifreund George W. Bush so stark, dass dieser 2004 seinen Job verliert. Das Einzige, was dann noch fehlte, wäre, dass die USA der Steiermark den Krieg erklären.

Zwei Szenarien, unterschiedlich wie Tag und Nacht - und welches der Realität näher kommt, steht in den Sternen. Eines ist freilich sicher: Arnie und Kalifornien, das wird auch weiterhin der Medienstoff bleiben, aus dem sich endlose Feuilletonromane und süffige politische Seifenopern fertigen lassen. Am 9. Oktober stehen wir erst am Anfang der großen Arnie- Show. Bleiben Sie also dran. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2003)

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