Hoher Frustpegel im einst goldenen Staat

9. Oktober 2003, 17:59
2 Postings

Spitzenwahlbeteiligung nützte Schwarzenegger

Die für US-Verhältnisse außerordentlich hohe Beteiligung von rund 60 Prozent liefert bereits die wichtigste Erklärung für das Wahlergebnis: einerseits weit verbreitete Frustration über die Verhältnisse im "goldenen Staat" (hohe Verschuldung, ineffiziente öffentliche Verwaltung, desolates Schulsystem, Energiekrise); andererseits ein attraktiver Kandidat außerhalb des politischen Establishments, der "aufzuräumen" verspricht.

Ungewöhnlich viele junge Wähler ließen sich registrieren, und die dürften zum überwiegenden Teil für "Arnie" votiert haben. Der Wunsch nach besseren Zukunftschancen scheint ihr Hauptmotiv gewesen zu sein.

Ethnisches Gemisch

Dass Schwarzenegger – nach dem Wenigen zu schließen, was man bisher weiß – ein insgesamt gemäßigtes Programm vertritt, dürfte ihm auch aus traditionell demokratischen Wählergruppen Stimmen gebracht haben. Dazu gehören die Latinos (Spanischsprachigen), die ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Ihre Stärke wie auch die der Kalifornier asiatischer Abstammung (derzeit zwölf Prozent) nimmt weiter zu, während der Anteil der Weißen auf 47 Prozent gesunken ist. Im Großraum Los Angeles etwa wird bereits in rund der Hälfte aller Haushalte eine andere Sprache als Englisch gesprochen. Einer Studie aus dem Jahr 2000 zufolge werden in Kalifornien insgesamt 224 Sprachen gesprochen.

Jedenfalls ist Kalifornien nicht mehr jene Hochburg der Demokraten wie bei den US- Präsidentschaftswahlen 2000: Damals lag Al Gore mit 53,6 Prozent der Stimmen weit vor George W. Bush (41,5). Der Grüne Ralph Nader kam auf im landesweiten Vergleich beachtliche 3,8 Prozent. Die 54 kalifornischen Wahlmänner nützten Gore aber nichts, das Rennen wurde im Auszählkrimi in Florida mit anschließendem Richterspruch entschieden. Ohne Kalifornien hätte Gore allerdings überhaupt keine Chance gehabt.

Dass der Golden State aber keine demokratische Erbpacht ist, weiß man längst: 1966 wurde der Schauspieler Ronald Reagan auf einem republikanischen Ticket zum Gouverneur gewählt. 1980 zog er ins Weiße Haus ein. (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2003)

Share if you care.