Anthony J. Leggett

8. Oktober 2003, 17:14
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London - Der Brite Anthony J. Leggett (65), diesjähriger Physik-Nobelpreisträger, genießt weltweit Anerkennung für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Niedrigtemperatur-Physik. "Er ist ein Superstar - obwohl eher klein und schüchtern ein Geistesriese", sagte Niels Schopohl, Physik-Professor an der Universität Tübingen, am Dienstag über Leggett. Der Preisträger wurde 1938 in London geboren und besitzt neben der britischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Einen wesentlichen Beitrag leistete Leggett zum theoretischen Verständnis der quantenphysikalischen Phänomene von Supraleitung und Suprafluidität. Er konzentrierte sich dabei auf Helium, das bei niedrigen Temperaturen die Viskosität verliert und "suprafluid" wird.

"Leggett hat als Brite das englische Understatement", sagte Prof. Peter Wölfle von der Universität Karlsruhe. "Er ist bescheiden, zurückhaltend und drängt sich nicht nach vorne." Wölfle bedauerte, dass sein Kollege den Nobelpreis für Physik nicht bereits 1996 erhalten habe. Damals bekamen jene drei Forscher den Preis, die erstmals suprafluides Helium geschaffen hatten. Leggett habe damals nicht berücksichtigt werden können, weil der Preis maximal unter drei Personen aufgeteilt werden kann, sagte der deutsche Forscher. "Es freut mich besonders, dass er heute dabei ist."

Der Brite hatte sein Studium in Oxford 1959 zunächst mit Philosophie begonnen und kam erst später zur Physik. 1964 promovierte er in Theoretischer Physik am Magdalen-College in Oxford und lehrte bis 1983 an der Universität von Sussex. 1983 ging er endgültig an die Universität von Illinois, wo er schon zuvor in der Forschung tätig war. Leggett wurde in diesem Jahr zusammen mit Bertram Halperin in diesem Jahr mit dem Wolf Prize ausgezeichnet. Er gehört unter anderem als Auslandsmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften an. (APA/dpa)

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