Roderick MacKinnon

8. Oktober 2003, 17:12
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New York - Der genaue Blick aufs Kleinteilige hat Roderick MacKinnon (47) schon als Kind fasziniert: Der Professor für molekulare Neurobiologie und Biophysik an der Rockefeller University (New York) zeigte bereits früh eine Vorliebe für knifflige Puzzles und Mikroskope. "Ich liebte es, die winzigsten Dinge schwimmen und sich bewegen zu sehen", erinnert er sich. Als er 1998 die räumliche Struktur eines Kaliumkanals sichtbar machte, brachte ihm diese analytische Hartnäckigkeit den Applaus der Fachwelt ein - und nun auch den Chemie-Nobelpreis.

Aufgewachsen als eines von sieben Kindern in Burlington (US-Staat Massachusetts), genießt MacKinnon von früh auf ein freies geistiges Klima: "Alles, was unsere Eltern von uns erwarteten, war, dass wir aufs College gingen, danach sollte wir unsere eigenen Berufsentscheidungen treffen." So wendet sich MacKinnon zunächst der Biochemie zu und macht 1978 seinen Bachelor-Abschluss an der nahe gelegenen Brandeis University. Anschließend sattelt er auf Medizin um, legt darin 1982 seinen Master ab und geht für eine Weile an die Harvard Medical School.

1986 kehrt er zur Biochemie und nach Brandeis zu seinem Mentor Christopher Miller zurück. "Meine wissenschaftliche Karriere begann eigentlich erst mit 30", sagt MacKinnon - und betont, dass er diesen Schritt zum erneuten Studententum großenteils seiner Ehefrau verdankt. Unter Miller beschäftigt er sich erstmals mit den biophysikalischen Aspekten von Ionenkanälen.

Nach einem erneuten Wechsel nach Harvard setzt er diese Studien an Skorpion-Gift fort: MacKinnon entdeckt, dass das Gift den Ionenfluss direkt an der Pore des Kanals verhindert. Erst als er 1996 an die Rockefeller University wechselt und dort die Röntgen-Kristallographie erlernt, konnte MacKinnon diese Kanäle auch sichtbar machen. Für den vielfachen Preisträger ist dieser Erfolg eine Bestätigung seines Arbeitsmottos: "Ich glaube, wenn du dich ernsthaft um die Wissenschaft bemühst, dann kümmert sich die Wissenschaft auch um dich." (APA/dpa)

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