US-Forscher Engle und Brite Granger geehrt

12. Oktober 2003, 19:42
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Auszeichnung für neue Methoden zur Zeitreihenanalyse

Stockholm - Mit dem diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft an Robert Engle und Clive Granger zeichnet das Komitee zwei Forscher aus, die sich mit Arbeiten zur statistischen Analyse von Zeitreihen verdient gemacht haben. Wirtschaftswissenschaftler verwenden zur Abschätzung von Zusammenhängen und zur empirischen Überprüfung von wirtschaftswissenschaftlichen Hypothesen sogenannte Zeitreihen. Zeitreihen sind chronologische Reihenfolgen von Daten, die die Entwicklung von z.B. Bruttoinlandsprodukt (BIP), Preisen, Zinssätzen oder Aktienkursen zeigen.

Die diesjährigen Preisträger entwickelten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts neue statistische Methoden zum besseren Umgang mit zwei zentralen Eigenschaften vieler Zeitreihen: zeitlich veränderliche Volatilität und Nichtstationarität. Auf Finanzmärkten haben zufällige Schwankungen über die Zeit ("Volatilität") große Bedeutung, weil der Wert von Aktien, Optionen und anderen Wertpapieren auf diesem Risiko beruht, erläutert das Preis-Komitee die Bedeutung der Zeitreihenanalyse. Die Schwankungen können im Lauf der Zeit stark variieren, ruhige Perioden mit kleinen Schwankungen lösen turbulentere Perioden mit größeren Fluktuationen ab.

Zum unverzichtbaren Werkzeug geworden

Obwohl sich also die Volatilität über die Zeit verändert, arbeiteten die Wirtschaftswissenschaftler wegen des Fehlens einer Alternative lange mit statistischen Methoden, die eine konstante Volatilität voraussetzen. Deshalb wurde die von Robert Engle gemachte Entdeckung laut Preis-Komitee ein großer Durchbruch. Er fand, dass der Begriff autoregressive bedingte Heteroskedastizität (ARCH) gut die Eigenschaften vieler Zeitreihen einfängt und er entwickelte Methoden, die es ermöglichen, zeitlich variierende Volatilität zu modellieren. Seine so genannten ARCH-Modelle sind unverzichtbare Werkzeuge geworden, nicht nur unter Forschern, sondern auch unter Finanzanalysten, die sie unter anderem zur Risikobewertung verwenden.

Die meisten makroökonomischen Variablen wachsen einem unsystematischen Trend folgend, so dass zufällige Störungen, etwa bezüglich des Bruttoinlandprodukts, auf lange Sicht erhalten bleiben. Derartige Zeitreihen werden nicht-stationär genannt. Sie unterscheiden sich von stationären Zeitreihen, die nicht mit der Zeit wachsen, sondern sich um einen vorgegeben Wert herum bewegen. Clive Granger zeigte laut Preis-Komitee früh, dass statistische Methoden für stationäre Zeitreihen bei nicht-stationären Daten völlig fehlleitende Schlussfolgerungen ergeben können.

Kointegration

Seine große Entdeckung war, dass spezifische Kombinationen von nicht-stationären Zeitreihen stationär auftreten können und somit statistische Schlussfolgerungen zulassen. Granger nannte dieses Phänomen Kointegration. Er entwickelte Methoden, die sich als besonders wichtig in Systemen zeigten, in denen die kurzfristige Dynamik von großen unsystematischen Störungen beeinflusst wird, während gleichzeitig die langfristigen Variationen durch ökonomische Gleichgewichtsbeziehungen beschränkt werden. Als Beispiele hierfür nennt das Preis-Komitee den Zusammenhang zwischen Vermögen und Konsum, Wechselkursen und Preisniveau oder kurzfristigen und langfristigen Zinssätzen.

Robert F. Engle, geboren 1942 in Syracuse/USA, ist Michael Armellino Professor für Management von Finanzdienstleistungen an der New York University. Clive W. J. Granger, geboren 1934 in Swansea/Großbritannien ist emerierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California in San Diego (USA). Der Wirtschaftsnobelpreis ist mit zehn Mio. Schwedischen Kronen dotiert, die zu gleichen Teilen zwischen den Preisträgern aufgeteilt werden.(APA)

  • Robert Engle
    foto: epa/nyu

    Robert Engle

  • Clive Granger
    foto: standard

    Clive Granger

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