Sommerdomizil von Marie von Ebner-Eschenbach vor dem Abbruch

9. Oktober 2003, 18:57
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Salzkammergut-Villa in St. Gilgen am Wolfgangsee soll Hotelprojekt weichen

Salzburg - Ein neues Tourismusprojekt in St. Gilgen - einst wie jetzt beliebter Ferienort im Salzkammergut - lässt die Emotionen hoch gehen. Eine typische Salzkammergut-Villa, erbaut im Jahre 1885, in der die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach mehrere Jahre ihre Sommerfrische verbracht hatte, soll einem geplanten Hotelbau weichen.

einzigartige Kegelbahn mit Malereien von Gerstenbrand

Für die Kunsthistorikerin und Leiterin des Museums "Zinkenbacher Malerkolonie", Christina Steinmetzer, bedeutet die Liegenschaft einen "unschätzbaren Wert für das Salzkammergut". Der Villa angeschlossen ist eine einzigartige Kegelbahn mit originellen Malereien des Karikaturisten Alfred Gerstenbrand. "Ich bin nicht gegen einen Hotelbau, aber die historischen Bauten müssten mit Sensibilität in das Projekt eingebunden werden."

Ortsbildschutz

Steinmetzers Hoffnung, das Denkmalamt würde die so genannte Villa Kotzian unter Schutz stellen, ist jetzt zunichte. "Die Bausubstanz wurde allein schon auf Grund der Zu- und Umbauten historisch als zu gering befunden", erklärt der Leiter des Salzburger Denkmalamtes, Walter Schlegel. Er spielt den Ball zurück an die Gemeinde. Die kann als Baubehörde den Abriss aus Gründen des Ortsbildschutzes verhindern.

Innerhalb von acht Wochen werde eine Entscheidung fallen, was mit dem derzeit leer stehenden Haus passieren soll, erklärte Bürgermeister Wolfgang Planberger (S). Er möchte den Plänen nicht vorgreifen und deshalb auch nicht mehr sagen, außer dass das zukünftige Projekt der Infrastruktur des Ortes diene werde. Möglicherweise werde ein Architekt gefunden, der die alte Villa oder zumindest die Innenausstattung in den Bau integrieren könne.

-Villa mit dazugehörigem Badehäuschen

Die Salzkammergut-Villa mit dazugehörigem Badehäuschen und gepflegtem Park steht noch im Besitz der Oberösterreichischen Arbeiterkammer. Der Verkaufspreis beträgt rund 2,3 Millionen Euro. Bis Dezember genießt die Gemeinde St. Gilgen ein verlängertes Vorverkaufsrecht.

Für die Verwirklichung des neuen Konzeptes droht nicht nur der Villa Kotzian der Abbruch, sondern auch dem angrenzenden alten Seniorenheim (erbaut 1875) und dem Dienerstöckl des ehemaligen Bezirksgerichts aus dem Jahr 1709, das noch der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gehört und in dem früher die Gerichtsdiener (der Großvater von Wolfgang Amadeus Mozart war von 1716 bis ca. 1723 Gerichtspfleger in St. Gilgen) wohnten.

Fünf-Sterne-"Mozarthotel

Aber schon wegen des Baus einer Tiefgarage sei der Abriss des Altbestandes vermutlich notwendig, meint der Tourismusobmann von St. Gilgen, Franz Mayrhofer. Für ihn bedeutet die Errichtung eines kleinen, aber feinen Fünf-Sterne-"Mozarthotels" die Rettung des Tourismus im Ort.

Durch ein qualitativ hochwertiges Hotel-Angebot und die intakte Umwelt der Wolfgangsee-Region würde St. Gilgen in 15 Jahren wieder eine der gefragtesten touristischen Destinationen sein, betont Mayrhofer. Die Zahl der Übernachtungen sank in der Region von 1,1 Millionen im Jahr 1992 auf 800.000 im Jahr 2002. Eine Errichtungsgesellschaft, die in Gründung ist und der Mayrhofer "als Privatmann" angehört, sucht jetzt eine Betreiberfamilie. Mit im Boot sitzt neben weiteren Einheimischen auch die Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich. (APA)

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