Rumsfeld ausgeschlossen

10. Oktober 2003, 10:53
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US-Verteidigungsminister wußte nichts über Umstrukturierung der Irak-Politik im Weißen Haus - Rice leitet neue Arbeitsgruppe

Colorado Springs - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist nach eigenen Angaben nicht über die Umstrukturierung der Irak-Politik im Weißen Haus unterrichtet gewesen. Eine interne Mitteilung von US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, in der eine neu gegründete Arbeitsgruppe für den Irak angekündigt worden war, sei ihm nicht zu Gesicht gekommen, sagte Rumsfeld bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Colorado Springs vor europäischen Journalisten am Mittwoch (Ortszeit): "Das war wahrscheinlich auf einer niedrigeren Ebene." Er habe aber nicht das Gefühl, dass seine Autorität unter diesem Zug der US-Regierung leide, und sei über "diesen ganzen Wirbel" wegen eines einseitigen Memorandums überrascht.

Unsichere Lage im Irak und in Afghanistan

Auf die Frage, weshalb die Umstrukturierung nötig geworden sei, reagierte Rumsfeld der Tageszeitung "Financial Times" zufolge kurz angebunden: "Ich habe gesagt, ich weiß es nicht. Ist das nicht klar? Verstehen Sie kein Englisch? Ich war nicht dabei." Die US-Tageszeitung "New York Times" hatte am Montag berichtet, das US-Präsidialamt wolle den Wiederaufbau im Irak und Afghanistan wegen der anhaltend unsicheren Lage in den beiden Ländern künftig stärker selbst führen und habe zu diesem Zweck besagte Arbeitsgruppe eingerichtet. Rice und ihre Mitarbeiter sollten unter anderem einen Teil der Irak-Mission übernehmen, hieß es dabei unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter.

Rice unbeirrt auf Waffensuche

Rice sagte in ihrer ersten öffentlichen Rede als Leiterin der neuen Arbeitsgruppe in Chicago, der entmachtete irakische Präsident Saddam Hussein habe den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen "bis zuletzt belogen". Er habe die Welt bis zuletzt mit Massenvernichtungswaffen bedrohen und sein eigenes Waffenprogramm verschleiern wollen. Die Waffenkontrollen der USA im Irak lieferten "unbestreitbare Beweise für Tatsachen, an denen niemand hätte jemals zweifeln dürfen", sagte Rice. Der Leiter des 1.200-köpfigen US-Inspektorenteams, David Kay, hatte dagegen vergangene Woche vor dem US-Kongress gesagt, seine Mitarbeiter hätten im Irak bisher keine atomaren, biologischen oder chemischen Waffen gefunden. (APA/AFP)

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