Michael Schumacher: "Titel als Zugabe"

10. Oktober 2003, 12:35
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Fast-Weltmeister im "stern"-Interview: "Formel 1 ist eine künstliche Welt, die die echte nicht ersetzen kann"

Suzuka - Formel-1-Superstar Michael Schumacher würde seinen sechsten WM-Titel als "eine Art Zugabe" in Empfang nehmen. Im Interview mit dem Hamburger Magazin "stern" erklärte der fünffache Champion vor dem Saisonfinale am Sonntag in Japan (7:30 Uhr MESZ), dass es ihm nicht mehr in erster Linie um Siege, Punkte und Rekorde geht. "Meine Hauptmotivation ist mittlerweile der Spaß. Ich habe mein großes Ziel doch erreicht, schon im Jahr 2000, die Weltmeisterschaft mit Ferrari. Seither fahre ich aus reiner Freude", so Schumacher, den sein sechster Titel (Weltrekord) aber "berühren und stolz machen" würde.

Die Glamour-Welt der Formel 1 bezeichnete der Deutsche als "eine künstliche Welt, die die echte nicht ersetzen kann". Schumacher sei der ganze Rummel immer schon fremd gewesen. "Ich komme aus einem sehr normalen Elternhaus, das hilft." Seine beiden Kinder nimmt der 34-Jährige deshalb gar nicht mit zur Rennstrecke, weil er sich noch gut an das Chaos erinnert, als der Finne Mika Häkkinen einmal seinen kleinen Sohn mitgebracht hat. "Wie soll ein kleines Kind damit fertig werden? Ich glaube, man schadet Kindern damit, sie werden sich schwer tun, Normalität zu leben. Meine Kinder sollen einfach nur als Gina und Mick aufwachsen und nicht mit dem Druck, die Kinder von Michael Schumacher zu sein."

Vermögen als Sicherheit

Sein Vermögen bedeute für den Ferrari-Star und seine Familie die finanzielle Sicherheit, die er seinen Eltern auch gewünscht hätte. Es gebe nur wenige andere Dinge, die ihm wirklich etwas bedeuten: "Ein schönes Haus für uns alle oder das Flugzeug, das mir Zeit schenkt. Ich hatte auch mal eine Yacht, aber da hingen ständig Paparazzi herum. Das macht dann sowieso keinen Spaß."

An das Ende seiner einzigartigen Karriere verschwendet Schumacher, der bei Ferrari einen Vertrag bis 2006 unterschrieben hat, keinen Gedanken. "Warum sollte ich? Ich fahre, solange es mir Spaß macht. Manchmal habe ich das Gefühl, je länger ich dabei bin, desto mehr liebe ich diesen Sport."

Räikkönen hat noch nicht aufgegeben

Vor dem WM-Showdown in Suzuka rief für Schumacher aber wieder die PR-Pflicht, am Mittwoch standen Termine bei den Ferrari-Partnern Shell und Bridgestone in Tokio auf dem Programm. Der Kerpener blieb dabei seiner Linie treu und warnte trotz neun Punkten Vorsprung auf Kimi Räikkönen: "Es ist noch nichts gewonnen."

Der sonst wortkarge McLaren-Finne Räikkönen, der fünf Tage nach dem Japan-GP 24 Jahre alt wird, äußerte sich kämpferisch: "Ich habe nichts zu verlieren. Ich weiß, was ich zu tun habe. Und darauf bin ich bin allein konzentriert - nicht, was Michael macht." Sollte der Finne in seinem 50. Grand-Prix das Unmögliche noch möglich machen, wäre er der jüngste Weltmeister aller Zeiten.(APA/dpa)

  • Schumacher und Barrichello bei einem PR-Termin in Tokio.

    Schumacher und Barrichello bei einem PR-Termin in Tokio.

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