Mittelalter monumental

13. Oktober 2003, 20:23
posten

Das Londoner Victoria & Albert Museum zeigt "Gotik. Kunst für England 1400-1567" und ein "Eurythmics"-Mysterium

London - Eine prunkvolle Monumentalschau im Londoner Victoria & Albert Museum führt bis 18. Januar 2004 direkt in das englische Spätmittelalter. In den schwarz drapierten Räumen der Ausstellung "Gotik. Kunst für England 1400-1567" werden mehr als 300 exquisit ausgewählte Objekte präsentiert, darunter Schwerter, Rüstungen, Skulpturen, Gemälde, Schmuck, Dinge des höfischen Lebens.

Die umfangreich kommentierte Ausstellung widmet sich allen Aspekten des spätmittelalterlichen Lebens, von der Kriegsführung über das Mäzenatentum bis zur Tischkultur, vom Umgang mit Leben und Tod bis zum Abgesang der Ära, der Zerstörung und Auflösung der Klöster und Kirchen durch Heinrich VIII. Sie konzentriert sich auf England, zeigt aber zugleich die Internationalität des Stils.

Geheimnis bleibt

Keine Aufklärung gibt es über den Besitzer eines ausgestellten Goldamuletts ("The Middleham Jewel") mit einem gefassten Edelstein, das 1985 zufällig bei einer Tournee der Pop-Band Eurythmics mit einem Metall-Detektor entdeckt wurde. Es enthält ein Geheimfach und magische Inschriften auf der Rückseite.

Ansonsten kann man im Stundenbuch des buckligen Richard III. lesen, der angeblich seine Neffen ermordet und im Tower eingemauert hat. Die Rüstung Heinrich VIII. aus den Tagen, als noch nicht das Blut zweier Ehefrauen an seinen Händen klebte, ist ebenso zu sehen wie Helm, Schwert und Schild Heinrich V., der in die Schlacht von Agincourt zog. Zu den Prunkstücken gehört die mit Edelsteinen besetzte Krone der Margaret von York, die sich 500 Jahre lang in Deutschland befand.

Internationalität

Viele Objekte wurden von Meistern des europäischen Festlands, vor allem aus den Niederlanden und Frankreich gefertigt. Und während in England noch spitzwinklige Gotik vorherrschte, arbeitete man in Italien schon im damals modernsten, vergleichsweise naturalistischen Renaissance-Stil: Die Engländer, damals wohlhabend wie in kaum einer Ära zuvor, kauften Renaissance-Kunst, die auch in der Schau zu sehen ist. So etwa zwei lebensechte Männerbüsten eines italienischen Künstlers, eine davon ist eine Darstellung Heinrichs VII. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Englische Gotik: Deckendetail aus der St George's Hall in Windsor Castle - nach der Rekonstruktion, nach dem berühmten Brand von 1992

Share if you care.