Die Angst vor dem Einkaufszentrun

13. Oktober 2003, 14:14
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Wiener Geschäftsstraßen befürchten eine Flut von Shoppingtempeln an der Peripherie der Stadt

Wien - Die Wiener Wirtschaftskammer warnt vor geplanten Einkaufszentren im Wiener Umland. Diese würden unter anderem Geschäftsstraßen in der Bundeshauptstadt gefährden, versicherte Kammerpräsident Walter Nettig vor Journalisten. Er forderte eine verstärkte Kooperation zwischen Wien und den umliegenden Gemeinden: "Kritische Widmungen sollen abgestimmt werden." Auch die Einrichtung einer Schlichtungsstelle hielt Nettig für sinnvoll.

"Seit Jahren ist bekannt, dass die Zusammenarbeit zwischen Wien und seinen Umlandgemeinden in Sachen Raumordnung und Verkehr verbessert werden muss. Leider hat sich nun wieder einmal bestätigt, dass hier noch immer großer Nachholbedarf besteht", meinte der Kammerpräsident. Anlass für die Kritik ist die geplante Widmung für ein Fachmarkt- und Einkaufszentrum in Gerasdorf.

Gemeinden haben Nachteile

Laut Nettig werden dort zusätzlich zu bestehenden Flächen 57.000 Quadratmeter Verkaufsfläche gewidmet. Weitere Reserveflächen stehen demnach bereit. In einigen Jahren könnte so an der Brünner Straße in unmittelbarer Nähe zur Wiener Stadtgrenze eine Einkaufstempel-Agglomeration mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 93.000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen.

"Aus Sicht der Standortgemeinde mögen sich derartige Widmungen rechnen, die umliegenden Gemeinden haben aber ausschließlich Nachteile", meinte Nettig. So werde etwa aus einem weiten Umkreis Kaufkraft abgezogen. Problematische Projekte sind laut Wirtschaftskammer aber auch in Wien geplant.

Umfahrungsstraßen

Nettig erinnerte daran, dass 2006 die Süd-Umfahrung Wiens und in weiterer Folge die Nordost-Umfahrung eröffnet werden soll. Sollte die Zusammenarbeit auf Raumplanungs-Ebene nicht kommen, würden entlang dieser Straße "ein Einkaufszentrum und ein Fachmarkt nach dem anderen" entstehen. Dies wäre das Ende der Ortskerne in Niederösterreich und auch einiger Geschäftsstraßen in Wien, vermutete Nettig.

Auch die Folgen für den Verkehr wären gravierend, wie der Wiener Kammerpräsident versicherte: Die Nordost-Umfahrung würde "vom Einkaufsverkehr überschwemmt" und könnte nicht mehr zur Entlastung der innerstädtischen Straßen beitragen.

Gemeinden sollen selbst Einkaufszentren widmen können

Nettig ist dafür, dass die Gemeinden weiterhin selbst Einkaufszentren widmen können. Falls sich jedoch eine Nachbargemeinde oder ein Nachbarbundesland dagegen ausspricht, soll es laut Nettig zu einem Schlichtungsverfahren vor einer übergeordneten Stelle kommen. Diese Instanz könnte etwa im Wirtschaftsministerium angesiedelt sein.

Wenig Freude hat die Wiener Wirtschaftskammer auch mit bestehenden Einkaufszentren jenseits der Stadtgrenze. In diesem Zusammenhang sprach sich Nettig gegen das Vorhaben aus, die Badner Bahn in die U6 einzubinden. Das würde zur Folge haben, dass für Wiener die Shopping-City-Süd (SCS) in Vösendorf leichter zu erreichen wäre, kritisierte die Wirtschaftskammer.(APA)

  • Nettig macht sich Sorgen um die wachsende Zahl der Einkaufszentren um Wien herum
    foto: epa/nogi

    Nettig macht sich Sorgen um die wachsende Zahl der Einkaufszentren um Wien herum

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