Montenegro: Frauenhandel-Affäre kommt nicht ins Parlament

11. Oktober 2003, 21:37
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Menschenhandels- beauftragte und Ex-Frauenministerin Helga Konrad hatte Untersuchung empfohlen

Belgrad/Podgorica - Die Frauenhandelsaffäre, die seit November die politische Szene Montenegros erschüttert, wird nicht vor das Parlament kommen. Parlamentspräsident Ranko Krivokapic erklärte am Mittwoch gegenüber der Belgrader Tageszeitung "Danas", dass es in Montenegro kein entsprechendes Gesetz über parlamentarische Untersuchungen gebe. Eine solche Ermittlung sei durch die Geschäftsordnung des Parlamentes nicht zugelassen, präzisierte Krivokapic.

Vorschlag Konrads abgeschmettert

Die parlamentarische Untersuchung wurde von Helga Konrad empfohlen die im Rahmen des Südosteuropa-Stabilitätspaktes mit der Bekämpfung des Menschenhandels beauftragt ist. Eine gemeinsame ExpertInnenkommission von OSZE und Europarat, die im vergangenen Juni die Menschenhandelsaffäre in Montenegro untersucht hatte, hatte vor zehn Tagen ihre Empfehlungen der montenegrinischen Regierung zugestellt. Bis dato wurden sie in Podgorica nicht publik gemacht.

Auslöser des Skandals

Die Menschenhandelsaffäre wurde durch eine moldawische Bürgerin im letzten November nach ihrer Flucht in ein Frauenhaus in Podgorica ausgelöst. Die 24-jährige schwer misshandelte Frau hatte auch einige höchste montenegrinische Politiker der Verwicklung in den Menschenhandel beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft hatte im letzten Mai auf die Anklage gegen vier verdächtige Personen, darunter auch den stellvertretenden Republikstaatsanwalt Zoran Piperovic, verzichtet.

Die im letzten Sommer bestellte neue Republikstaatsanwältin Vesna Medenica untersucht zur Zeit noch die Möglichkeiten für eine Erneuerung von Ermittlungen. (APA)

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    Die ehemalige österreichische Frauenministerin Helga Konrad setzt sich derzeit im Rahmen des Südosteuropa-Stabilitätspaktes gegen Frauenhandel ein
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