"Jetzt wirklich": Pro Sieben fensterlt

8. Oktober 2003, 09:14
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Bis zu halbe Stunde täglich ab 2004 angekündigt - Umstellimpuls für Digitalseher

Rechtzeitig zu den heute, Mittwoch, beginnenden Österreichischen Medientagen meldet sich Markus Breitenecker mit einer Ankündigung: Pro Sieben will eine tägliche Sendung für Österreich ins Programm rücken. Nicht das erste Aviso, aber "jetzt ist es wirklich so weit".

Schon 1999 versprach der Vermarkter von ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und Viva in Österreich unmittelbar vor den Medientagen ein solches Programmfenster. Tatsächlich on air gingen in der Zwischenzeit so genannte Advertainmentformate. Ein Motor- und ein Gesundheitsmagazin etwa in Sat.1 Österreich und die Szenesendung "2night.tv" in Pro Sieben, allesamt alleine dazu angetan, zusätzliche Sponsorgelder aufzutreiben.

Investment "in signifikantem Umfang"

Das soll sich mit dem neuen Projekt ändern. Gegenüber dem STANDARD kündigt Breitenecker ein Investment "in signifikantem Umfang" an. Präzisieren will er es ebenso wenig wie konkretes Format ("keine Fiction") und Umfang ("mehr als Kurznachrichten", "weniger als die zulässigen zwei Stunden"). Moderatoren und Moderatorinnen castet die MR-Film freilich schon ab 13. Oktober in den Wiener Rosenhügelstudios, das Format will Breitenecker Anfang November kundtun und in der zweiten Jännerhälfte 2004 starten. Sieben- oder anfangs sechsmal wöchentlich. Die Lizenz - über eine halbe Stunde täglich - stellte die Medienbehörde Montag zu.

Und wozu der Aufwand, wenn Vermarktungsgesellschaften wie Breiteneckers Sevenone Austria ohne eigene Programme Dutzende Euromillionen umsetzen können, indem sie deutsche Werbespots durch österreichische ersetzen? Alleine im ersten Halbjahr 2003 brachten sie es auf brutto fast 53 Millionen Euro. Rund die Hälfte davon dürfte nach Abzug von Provisionen, Rabatten und dergleichen real herausschauen.

"Bedrohungsszenario"

Bisher sind die Werbefenster vor allem in den österreichischen Kabelhaushalten zu sehen, rund 40 Prozent der Fernsehhaushalte. Für Satellitenseher lohnt das erst, wenn sie auf digitale Empfangsanlagen umgerüstet haben. Deren Verkaufszahlen ziehen derzeit rasant an. Bis zu weiteren 40 Prozent und mehr der österreichischen TV-Haushalte würden damit für die Werbefenster deutscher Privatsender erreichbar. Für den ORF mit seinen deutlich höheren Werbepreisen ein ernstes "Bedrohungsszenario", bestätigte dessen Manager Alexander Wrabetz in der Wochenendausgabe des STANDARD (siehe dazu: "Bedrohungsszenario" für den ORF - Digitaler Satellitenempfang erhöht Reichweite der Werbefenster deutscher Konkurrenz).

Anreiz für die digitalen Satellitenhaushalte, Pro Sieben Österreich (mit österreichischer Werbung) statt des deutschen Originals einzustellen, wäre das Programmfenster, meint Breitenecker. Nicht mehr lange werde auch RTL darauf verzichten, wie bisher mit dem ORF vereinbart.

Stört er mit dem Fenster den Start seines Vermarktungskunden puls city tv? Der Stadtsender bezieht demnächst die bisherigen Räume des Tabakmuseums im Museumsquartier und will schließlich ebenfalls Anfang 2004 starten. Breitenecker verneint: "Deutsche Werbung raus, Österreich rein", variiert er den Claim der Tourismuswerber. Das gelte für ATV+ oder puls wie für die Fenster. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 8.10.2003)

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