Eine Stunde des Triumphs in L.A.

12. Oktober 2003, 15:00
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Mit einem glänzenden Wahlsieg beginnt Arnold Schwarzenegger seine dritte Karriere als "Governator" des krisengeschüttelten Kalifornien Angesichts der Probleme steht die echte Bewährungsprobe noch bevor

Die Stunde des Triumphes schien die Frau in einen Stein verwandelt zu haben. Wie angewurzelt stand sie da und starrte ihren Mann an, der mit hochgerecktem Daumen und gefletschtem Lächeln den Jubel des Saales entgegennahm. Luftballons stiegen auf, Konfetti regneten herab, und immer wieder skandierte die Menge "Arnold, Arnold".

Nur Maria Shriver rührte sich nicht vom Fleck und konnte ihren Blick für quälend lange Sekunden nicht lösen. Doch in ihren Augen lag mehr Verwunderung als Bewundern, so als ob sie sich ein wenig erschrocken fragte: "Mein Gott, was machen wir denn nun?" Die Frage werden sich vermutlich schon bald auch die Bürger Kaliforniens stellen, die den "Terminator" Arnold Schwarzenegger überraschend klar zum "Governator" ihres Staates gewählt haben. Der Wahlkampf war streckenweise ein fröhlicher Karneval gewesen, ein Zirkus, in dem viele der 135 Kandidaten unterhaltsame Attraktionen waren. Doch nun, da der Star die Manege mit dem Direktionsbüro vertauscht, beginnt der graue Alltag.

In seinen Filmen löst Schwarzenegger Probleme wortkarg und rabiat, mit Cyberkraft und bar jeder Emotion. Genau dieser Ruf des zupackenden Supermanns dürfte ihn zum Sieg getragen haben, doch im Unterschied zum Film beginnt in der Politik die Arbeit erst, wenn die Scheinwerfer abgeschaltet sind. In der Wirklichkeit ist Politik meist so grau und grausig, wie sie Gray Davis prak^tiziert hat, der bisherige Gouverneur. Ihm verdankt Schwarzenegger seinen Sieg mindestens ebenso sehr wie dem eigenen Showruhm.

Denn man muss wohl lange suchen, bis man irgendwo in den USA einen zweiten Politiker findet, der unbeliebter, ja verhasster gewesen wäre. Jeden, nur nicht ihn: Nach diesem Motto hat die Mehrzahl der Kalifornier gehandelt, als sie den erst vor knapp einem Jahr wiedergewählten Davis mitleidslos abberief.

Davis wirkte eigentlich ganz entspannt, ja beinahe erleichtert, als er in der Wahlnacht seine Niederlage eingestand und Schwarzenegger seine Zusammenarbeit anbot. Die wird der neue Gouverneur brauchen können, denn Kaliforniens Probleme sind so überwältigend, dass man sie auch nicht mit Terminator- Kräften lösen kann. Der politisch unerfahrene Star hat sich daher eine Gruppe prominenter Berater zugelegt, darunter den Börsenmilliardär Warren Buffet. Ohne ihre Hilfe wird es kaum gehen. Denn wie es aussieht, wird Schwarzenegger erst Anfang November die Amtsgeschäfte aufnehmen können. Doch schon binnen Monatsfrist muss er dann einen Entwurf für ein Budget ausarbeiten, in dem ein Loch von acht Mrd. Dollar klafft.

"Faszinierend wird es erst, wenn er mit dem Regieren anfängt", prophezeit der demokratische Politstratege Bill Carrick. "Der Wähler draußen dürstet sicherlich danach, die politische Starre aufzubrechen, aber ich weiß nicht, ob Arnold das schaffen wird."

Auf das Kooperationsversprechen seines Vorgängers sollte er sich dabei lieber nicht verlassen. Davis hatte in den vergangenen Wochen dutzendweise enge Vertraute in Schlüsselpositionen befördert, damit sie einem Gouverneur Schwarzenegger das Leben schwer machen würden. Außerdem muss er mit einem Parlament zusammenarbeiten, in dem liberale Demokraten den Ton angeben.

"Die Herausforderung für ihn liegt darin, auf die andere Partei zuzugehen", analysiert der Politikprofessor John Pitney. "Er betont ja gerne, dass er mit einer Demokratin verheiratet ist, und vielleicht erweisen sich seine Beziehungen zur Kennedy-Familie für ihn als ebenso wichtiges Training wie seine Hollywood- Karriere." Als Nichte Robert Kennedys stammt Maria Shriver aus einer hoch politisierten Familie, deren Ratschläge auch dem republikanischen Kandidaten zugute kamen.

Vielleicht trägt ja die überparteiliche Ehe der Schwarzeneggers dazu bei, die politische Spaltung Kaliforniens zu überwinden. Bislang freilich gibt es nur ein Segment der kalifornischen Gesellschaft, das wirklich parteiübergreifend zu ihrem Arnold steht: die kleine Gruppe von Schwarzeneggers österreichischen Landsleuten. Ob Konsul, Korrespondent oder Kommerzialrat ? sie alle berichten atemlos und übereinstimmend, dass die Alpenrepublik noch nie einen solchen Ruf hatte. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2003)

Wolfgang Koydl aus Los Angeles

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Die offizielle Wahlseite mit allen Ergebnissen

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    Als neuer „Governator“ präsentierte sich Arnold Schwarzenegger mit Gattin Maria Shriver seinen Anhängern im selben Hotel in Los Angeles, in dem einst Ronald Reagan von seiner Wahl zum US-Präsidenten erfuhr.

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